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20.10.2015

Gräfenhausener Sixthalle: 100 Flüchtlinge kommen Ende der Woche an

96 – das ist die Zahl der Flüchtlinge, die dem Enzkreis jede Woche zugewiesen wird; und zwar mindestens bis Jahresende . Vor dem Hintergrund eines akuten Mangels an Unterbringungsplätzen hat sich Landrat Karl Röckinger erneut direkt an die Enzkreis-Bürgermeister gewandt und um die Benennung möglicher Hallen in den Gemeinden gebeten.

Eine erste Reaktion kam von Birkenfelds Bürgermeister Martin Steiner: Noch in dieser Woche werden 100 Menschen in der Sixthalle im Ortsteil Gräfenhausen einquartiert. Das Landratsamt wird die Anwohner in einem ausführlichen Brief informieren. „Wir sind der Gemeinde Birkenfeld, ihrem Bürgermeister und dem Gemeinderat außerordentlich dankbar für diese Entscheidung“, sagt Röckinger. Der Lenkungsstab, den er erst vor kurzem eingerichtet hat, habe Ende vergangener Woche signalisiert, dass kurzfristig etwa 200 Plätze fehlen – 100 in dieser und nochmals 100 in der nächsten Woche. Daraufhin sei man auf die Suche nach möglichen Gemeindehallen gegangen.

„Obwohl wir eine große Gemeinde sind, konnten wir dem Kreis bislang leider keine geeigneten Gebäude für kurzfristige Unterkünfte vermitteln“, berichtet Bürgermeister Steiner. Dass nun eine der Hallen in der Gemeinde belegt werden müsse, sei sehr bedauerlich – andererseits sieht Steiner die Not des Kreises. Im Gemeinderat sehe man dies genauso, betont der Bürgermeister.

Noch am Montag rief Steiner bei den betroffenen Vereinen an, die die Sixthalle nutzen, um sie darüber zu informieren, dass die Halle bis auf weiteres nicht zur Verfügung steht. „Natürlich waren die Vereine nicht begeistert, aber die meisten haben Verständnis geäußert“, so Steiner. Gemeinsam werde man nun nach Ausweichmöglichkeiten suchen.

„Wir haben keine andere Wahl“, sagt Erster Landesbeamter Wolfgang Herz, der den Lenkungsstab zur Flüchtlingsunterbringung leitet. Zwar reichen die im Aufbau befindlichen Kapazitäten bis Weihnachten aus – allerdings stehen sie zum Teil erst später als geplant zur Verfügung. Das liege unter anderem an Lieferengpässen: „Mietcontainer, die wir nicht nur zum Wohnen, sondern auch für Küchen oder die sanitären Anlagen brauchen, gibt es auf dem Markt nicht mehr“, sagt Herz.

Die Sixthalle dient dem Enzkreis zur Überbrückung des Engpasses als Notunterkunft. „Eine dauerhafte Unterbringung ist hier nicht geplant“, betont der Vize-Landrat. Allerdings könne man noch nicht sagen, wie lange die Halle benötigt werde: „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung der regulären Unterkünfte, aber dabei können auch Kleinigkeiten für wochenlange Verzögerungen sorgen.“

Am Donnerstag und Freitag werden je 50 Menschen in Gräfenhausen ankommen. „Die Sozialbetreuung übernimmt – wie auch in den anderen Gemeinden – der Verein Miteinanderleben“, sagt Katja Kreeb, als Sozialdezernentin für die Flüchtlinge zuständig. Außerdem werde man einen Sicherheitsdienst beauftragen, der rund um die Uhr vor Ort sein wird und für die Sicherheit in der Halle und in deren Umfeld sorgen soll. „Unsere Erfahrungen sind hier sehr gut“, so Kreeb. So gebe es beispielsweise rund um die mit inzwischen 150 Menschen belegte Kerschensteinerhalle in Mühlacker keine größeren Schwierigkeiten.

Natürlich hoffen die Verantwortlichen im Landratsamt ebenso wie bei der Gemeinde Birkenfeld auf die Unterstützung durch Ehrenamtliche. „Bürgerschaftliches Engagement ist eines der Markenzeichen von Birkenfeld“, sagt Bürgermeister Steiner, bei dem bereits Zusagen von Kirchengemeinde und Einzelpersonen eingegangen sind, sich bei der Betreuung zu engagieren. „Gemeinsam können wir die Aufgabe bewältigen!“ Landrat Karl Röckinger hofft, dass sich die Lage bei der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen auf kommunaler Ebene durch das kürzlich beschlossene Gesetzespaket in absehbarer Zeit entspannt. (enz)

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