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Trümmerlandschaft: Die Aufräumtrupps hatten viel zu leisten.
Trümmerlandschaft: Die Aufräumtrupps hatten viel zu leisten.
09.09.2008

Großbrand zerstört Öschelbronn - Zeitzeugen erinnern sich

ÖSCHELBRONN. Am 10. September 1933, heute vor 75 Jahren, ist halb Öschelbronn in Schutt und Asche versunken. Grund war ein Brand, der in einer Scheune ausgebrochen war und sich wegen des heftigen Windes fast über das ganze Dorf ausbreitete. 357 von 1421 Einwohnern verloren dabei ihr Zuhause. Wie durch ein Wunder kam niemand ums Leben. Heute gibt es nur noch wenige Zeitzeugen, die aus erster Hand von diesem Tag berichten können. Für PZ-News haben sie die dramatischen Erlebnisse geschildert.

Lydia Sadler ist 89 Jahre alt. Sie lebt seit kurzem im Johanneshaus in Öschelbronn. Vor 75 Jahren war sie Konfirmandin, gerade mal 14 Jahre alt. Sie saß mit ihrer Mutter an diesem Sonntagmorgen in der Kirche, als die Feuerglocke ging. „Ich hatte noch nie ein Feuer in diesem Ausmaß gesehen“, erinnert sie sich, „die Leute haben versucht, mit Milchkannen brennendes Moos auf ihren Dächern zu löschen.“

Ein weiterer Zeitzeuge ist Friedrich Leicht. Er war damals neun Jahre alt. Der heute 84-Jährige hat die zur Zeit im Nieferner Bürgerhaus laufende Ausstellung „Brandkatastrophe vor 75 Jahren“ besucht. Bürger aus Niefern-Öschelbronn sind einem Aufruf des Kulturkreises gefolgt und haben zahlreiche Fotos aus dieser Zeit zusammengetragen. Die Bilder wecken Erinnerungen. Leicht berichtet von einer Katze, die mit brennendem Schwanz aus einer Scheune flüchtete – und von der Polizei erschossen wurde, bevor sie weitere Gebäude in Brand stecken konnte.

Die Ortswehren führten damals einen verzweifelten Kampf gegen die Flammen. Das Wasser wurde knapp. Zusätzliche Hilfe kam aus allen Nachbarorten, auch aus dem Schwäbischen. Die Feuerwehrleute aus Baden und Württemberg mussten aber leider erkennen, dass ihre Schlauchkupplungen nicht kompatibel waren.

Michael Szobrics, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Niefern-Öschelbronn: „Dieser Brand war ein wichtiger Meilenstein für die Normung“, erläutert er. Schließlich habe dieses Feuer dazu geführt, dass es seither in ganz Deutschland einheitliche Feuerwehrschläuche gibt.

Die Ursache für das Feuer in der Scheune ist bis heute ungeklärt.