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Chemieeinsatz bei einer Firma in Bretten-Gölshausen: Zwei Feuerwehrleute, die durch Vollschutzanzüge geschützt waren, wurden ebenso wie eine weitere Feuerwehrfrau vorsorglich in das Krankenhaus Bretten gebracht. © Feuerwehr/Reiff
09.05.2012

Großeinsatz: Giftige Gaswolke zieht über Bretten

Bretten. Eine giftige Gaswolke, die im Industriegebiet Bretten-Gölshausen entstand, hat nicht nur zu einem Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften geführt, sondern auch die Bevölkerung in Atem gehalten. Die gesundheitsgefährdende Wolke mit nitrosen Gasen zog übers Industriegebiet, dann in Richtung Bretten, Oberderdingen, Großvillars und Bauerbach. Unter anderem musste die B293 und die dortige Stadtbahnlinie S4 gesperrt werden. PZ-news zeigt am Mittag ein Video zum Thema.

Bildergalerie: Großeinsatz: Giftige Gaswolke zieht über Bretten

Zu der Freisetzung des gefährlichen Gases kam es Dienstag ab 17.54 Uhr. Bei einer in Bretten-Gölshausen ansässigen Firma ist es beim Ansetzen einer Beize aus Salz- und Salpetersäure zu einer chemischen Reaktion gekommen. Mit einem Saugwagen eines Entsorgungsunternehmens sollte die Flüssigkeit abgepumpt werden. Dabei setzte sich die Reaktion im Tank des Lastwagens fort.

Einsatzkräften der Feuerwehr Bretten, die zunächst mit den Abteilungen Bretten und Gölshausen im Einsatz war, gelang es, die Reaktion in dem Becken im Gebäude durch das Einbringen von Harnsäure zu stoppen. Die Flüssigkeit in dem Fahrzeug, das zwischenzeitlich aus der Betriebshalle gefahren worden war, erhitzte sich jedoch weiter. Durch den dabei entstehenden Druck schlug der Behälter leck und die bei der Reaktion entstandenen nitrose Gase traten aus.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten sich daraufhin in Sicherheit bringen. Zwei Feuerwehrleute, die durch Vollschutzanzüge geschützt waren, wurden ebenso wie eine weitere Feuerwehrfrau vorsorglich in das Krankenhaus Bretten gebracht. Mit Wasserwerfern gelang es, die gelben Dampfwolken niederzuschlagen.

Parallel dazu evakuierten Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei das Industriegebiet. Rund 130 Personen wurden in einer Turnhalle untergebracht und von Helfern des DRK betreut. Bei 13 Personen bestand der Verdacht, dass sie mit den austretenden Stoffen in Kontakt kamen. Vier von ihnen wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Die Bevölkerung im Verbreitungsgebiet der gesundheitsgefährdenden Gaswolke wurde mit Rundfunk- und Lautsprecherdurchsagen gewarnt. Der Unfallort wurde weiträumig abgesperrt, selbst die B293 und die Bahnlinie waren bis Mittwoch, 1.00 Uhr, nicht passierbar. Nur der eigentliche Schadensort bleibt weiterhin gesperrt.

Einsatzkräfte der Feuerwehr Bretten, des ABC-Zuges, des Gefahrgutzuges Karlsruhe Land-Nord und Kräfte aus dem benachbarten Enzkreis richteten beim Firmengelände einen Dekontaminationsplatz ein. Hier wurden die unter Vollschutz arbeitenden Feuerwehrleute nach Verlassen des Gefahrenbereiches dekontaminiert. Den Einsatzkräften gelang es, den Tank herunterzukühlen und die Domdeckel zu öffnen. Anschließend wurde er mit Wasser geflutet und so das Säuregemisch verdünnt. Weiter wurde das Betriebsgebäude belüftet.

Phasenweise waren weit über 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und mehreren DRK-Bereitschaften im Einsatz. Der Einsatz der Feuerwehr wurde von der stellvertretenden Kommandantin Agathe Meinzer geleitet. Sie wurde von Bezirksbrandmeister Jürgen Link, Kreisbrandmeister Thomas Hauck und dem Leiter der Berufsfeuerwehr Karlsruhe, Dr. Roland Görtz, als Fachberater Chemie sowie Oberbürgermeister Martin Wolff unterstützt. Der Einsatz des Rettungsdienstes wurde vom Leitenden Notarzt Dr. Richard Spörri sowie dem Organisatorischen Leiter Klaus Münch koordiniert.

Der Einsatz der Feuerwehr zog sich bis weit nach Mitternacht hin. Um die Entsorgung bzw. Reinigung des kontaminierten Firmeninventars und des Lastwagens werden sich Spezialfirmen kümmern. Durch den raschen und entschlossenen Einsatz der verschiedenen Hilfskräfte gelang es, Schaden für noch mehr Menschen zu verhindern. Auch konnte der Austritt der Säuren und Dämpfe weitgehend auf das Firmengelände beschränkt werden.

Verletzt wurde letztlich niemand. Der entstandene Schaden könnte nach ersten Schätzungen bei mehr als 500.000 Euro liegen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. pol/fw

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