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12.10.2015

Grünbrücke über A8 birgt Chancen und Risiken

Remchingen. Zwölf Grünbrücken oder Tunnel sollen es Wildtieren in Baden-Württemberg ermöglichen, sicher über Autobahnen und Bundesstraßen zu kommen. Eine ist bei Niefern geplant, eine weitere soll auch über der A 8 bei Nöttingen entstehen. Große Straßen verkleinern häufig den Lebensraum der Tiere. Doch der Remchinger Gemeinderat verweigerte nun eine Entscheidung. Zu gefährlich für Autofahrer, zu viele offene Fragen, so die Mehrheit. Die Abstimmung wurde vertagt.

Aus drei möglichen Varianten habe man sich mit dem Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe in Gesprächen auf eine geeinigt, so die Vorlage der Verwaltung. Nach dieser solle die Grünbrücke und ein Übergang für die Landwirtschaft am Standort der bisherigen Nusswegbrücke entstehen. Das 65 Meter breite Bauwerk, das mit sieben bis zehn Millionen Euro zu Buche schlagen würde, sei dort am „wirtschaftlichsten“ zu realisieren, so Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon. Laut dem Schultes gibt es allerdings einige offene Fragen: So sei nicht geklärt, ob die Gemeinde Remchingen die anfallenden Ökopunkte auf ihrem Konto verbuchen dürfe. Und noch wichtiger: Die Sicherheit für den Verkehr.

Das Millionenprojekt entwickle eine Art Trichterwirkung und münde direkt auf die Kreisstraße zwischen Darmsbach nach Langensteinbach. Bei anderen Grünbrücken seien dadurch vermehrt Unfälle passiert, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat. Ein geplanter Wildschutzzaun mache die Sache nicht besser, so Prayon in der Sitzung. Daher habe man vorgeschlagen, eine Warnanlage für Wildwechsel anzubringen. Das RP habe das aber abgelehnt. Zu teuer, sei die Begründung gewesen.

„Für uns hat der Schutz von Mensch und Tier Vorrang“, meinte Prayon. „Egal, wie viel es kostet.“ Allerdings sei der Vorschlag auch im Verkehrsministerium nicht gut aufgenommen worden. Man wolle die Unfallstatistik an der Grünbrücke für drei Jahre genau unter die Lupe nehmen, so das Land. Sollte sich herausstellen, dass es dort mehr Unfälle als vor dem Millionenbau gebe, sei die Warnanlage unumgänglich.

Hoffen auf Lärmschutz

„Bevor man in der Sache einen Beschluss fassen kann, müssen die offenen Punkte geklärt werden“, sagte CDU-Fraktionssprecher Dieter Walch. Seine Kollegin Antje Hill (SPD) fand es „zynisch“ drei Jahre abzuwarten: „Ohne diese Warnanlage wollen wir dieses Projekt nicht.“ Diese Meinung vertrat auch Theo Müller (Freie Wähler) für seine Fraktion: „Es ist verantwortungslos erst zwei, drei Bürger sterben zu lassen.“ Klaus Fingerhuth (Grüne) regte an, auch das Thema Lärmschutz auf den Tisch zu bringen. Irmgard Zachmann von der Bürgerinitiative (BI) „Ruhe jetzt!“ hatte vor einer akustischen Trichterwirkung gewarnt. Durch die Grünbrücke würde der Lärm von der A 8 noch verstärkt. Die BI hofft, dass mit dem Bau die Planfeststellung wieder geöffnet werden muss und so Maßnahmen für besseren Lärmschutz eingebracht werden können.

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