760_0900_112797_GR_Remchingen_Pestizidfreie_Kommune_01.jpg
Den Antrag nach einer pestizidfreien Kommune lehnte der Remchinger Gemeinderat mehrheitlich ab mit der Begründung, dass man schon jetzt viel für die Umwelt tue und Pestizide nur äußerst umweltschonend einsetze.  Foto: Zachmann 

Grüne enttäuscht: Remchinger Rat gegen „pestizidfreie Kommune“

Remchingen. Mit 13 Gegen- bei acht Ja-Stimmen lehnte der Remchinger Gemeinderat die ersten vier Punkte des vor fast anderthalb Jahren gestellten Antrags „Pestizidfreie Kommune“ ab und sorgte für Enttäuschung der vier Grünen-Räte. Sie wollten erreichen, dass der Bauhof auf eigenen Liegenschaften und Pflegeflächen auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel verzichtet, zudem Straßenbegleitgrün und mehr insektenfreundliche, minimal gepflegte Blühwiesen anlegt.

Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon verwies darauf, dass man bereits entsprechende Mittel äußerst bedacht, umweltschonend und differenziert einsetze, vor allem im Bereich großer Pflasterflächen oder gegen blühende Arten auf der Freibadwiesen, wo sonst kein ausreichender Schutz vor Insektenstichen möglich sei. Im Bahnhofsbereich seien großflächig und extensiv insektenfreundliche Blühstreifen angelegt worden, straßennahe Bereiche würden dort, wo es die Verkehrssicherheit zulassen, bereits weniger oft gemulcht. Ein Verzicht auf Pestizide sei möglich, gehe aber mit dem Bedarf von weiteren 1,5 Personalstellen und entsprechender Reinigungstechnik einher, wenn man die Flächen im jetzigen Erscheinungsbild beibehalten wolle. „Unser Bauhofleiter ist ein Naturschützer und aus Überzeugung bedacht, so wenig wie möglich einzusetzen“, unterstrich Dieter Walch (CDU), dass man gar nicht weit auseinander liege. Wolfgang Oechsle (Bürgerliste) ermutigte, wenigstens einer extensiveren Pflege zuzustimmen. Markus Gartner (Freie Wähler) erklärte ebenso wie die SPD: „Wir vertrauen unseren Mitarbeitern.“

„Wenn wir alle nur sagen, wie viel wir schon tun, wird sich nichts ändern“, entgegneten die Antragsteller Till Siegenthaler und Klaus Fingerhut: „Der Antrag war nicht unkonkret, sondern wohl unangenehm.“ „Es ist enttäuschend, wenn man nach fast anderthalb Jahren nur eine Aufzählung des Ist-Zustands bekommt“, stellte auch Katharina Kammerer-Klopp enttäuscht fest und verwies auf Nachbargemeinden, die auch ohne Pestizide auf öffentlichem Grün auskämen: „Wir müssen unser Schönheitsideal ändern. Viele Bürger wollen eine Veränderung, sonst hätten wir unsere Sitze nicht verdoppelt.“ Der fünfte Punkt des Antrags, der sich auf an Landwirte verpachtete Grundstücke bezieht, bedarf weiterer Gespräche und wurde aufgeschoben.