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Spannende Kandidatenkür der Grünen im Enzkreis gestern in der Remchinger Kulturhalle. Von links die Bewerber Marcel Hlawatsch (Niefern-Öschelbronn), Jane Brosch (Friolzheim), Christine Fischer (Kämpfelbach), Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann (Mühlacker)und Pina Stähle (Tiefenbronn). Nach einem Kampf ohne persönliche Attacken zwischen den Kandidaten, schenken die Parteimitglieder Seemann erneut das Vertrauen. 

Grüne wollen mit Seemann das Direktmandat bei den Landtagswahloen verteidigen

Remchingen/Enzkreis. Nein, Stefanie Seemann ist nicht gestürzt. Diesen Vergleich hat sie vor der Landtagskandidatenkür der Grünen im Wahlkreis Enz gestern Abend in der Kulturhalle Remchingen selbst gezogen: Schließlich hatte sie erst am Morgen einen Fahrradunfall gehabt.

Augenzwinkernd verspricht sie den Parteimitgliedern vor einer Wahl, die angesichts zahlreicher und starker Konkurrenz keineswegs klar ausgemacht schien, nach ihrer Bewerbungsrede: „Ich werde als Politikerin nie so die Bodenhaftung verlieren wie heute auf dem Rad.“ Sie holt schließlich gegen 21.30 Uhr die absolute Mehrheit der Stimmen – wenn auch erst im zweiten Wahlgang.

Überhaupt präsentiert sich die Mühlackerin, die 2016 im Enzkreis „mit eurer Unterstützung der CDU das Direktmandat abgejagt“ hat, wie sie es selbst formuliert, den rund 70 Zuhörern sehr kämpferisch. Für manchen vielleicht überraschend. Leidenschaftlich schildert sie ihre Erfahrung aus der Landtagsarbeit. Sie schwört die Partei auf einen harten Wahlkampf ein – auch gegen den derzeitigen Koalitionspartner CDU –, schildert ihren Einsatz für Enzkreis-Projekte wie die Biomusterregion oder für das Zentrum für Präzisionstechnik in Pforzheim, von dem die Region profitieren werde. Sie setzt aber auch auf klassische Themen ihrer Partei wie Klimaschutz, der Verhinderung von Flächenverbrauch oder Gleichstellung der Frauen.

Provokant wird es, als Seemann sich mit Blick auf ihre Kontakte in der gesamten Region als „das Gesicht der Grünen im Enzkreis“ bezeichnet. Mühlackers früherer Oberbürgermeister Arno Schütterle attackiert sie dafür in der Fragerunde: „Wir alle sind die Grünen.“

Das nehmen natürlich auch die Kontrahentinnen und der Kontrahent für sich in Anspruch. Mit sehr persönlich gehaltenen Vorstellungen ihrer Ideen und Motivationen. Christine Fischer aus Kämpfelbach, Lehrerin und langjährig engagierte Kämpferin für Umweltbelange und die Partei, setzt thematisch ähnliche Akzente wie Seemann, beschreibt ihre politische Erfahrung auf Gemeindeebene und Erfolge bei den vergangenen Kommunalwahlen. „Für uns Grüne ist mehr drin“, gibt sie als Motto aus und entpuppt sich als hartnäckigste Herausforderin.

Pina Stähle, mit 35 Jahren jüngste Bewerberin, baut auf ihre erfolgreichen erste Schritte in die Kommunalpolitik – in Tiefenbronn und im Kreistag. Sie schlägt den Bogen von politischen Themen aus kommunaler Warte hin zur Vermittlung von Wissen über die Natur an Kinder, für das sich die Landwirtin einsetzt. Maschinenbauingenieurin Jane Brosch aus Friolzheim ist am Abend die Überraschungsbewerberin. Sie hatte sich zunächst für eine Ersatzkandidatur interessiert. Am Wahltag geht sie aber aufs Ganze. Akzente setzt sie besonders in Fragen der Stärkung regionaler Wirtschaft. Genau wie Marcel Hlawatsch, Unternehmer aus Niefern-Öschelbronn. Er ist einstiges FDP-Mitglied, erst ein Jahr bei den Grünen und will deren Profil in wirtschaftlichen und technologischen Fragen schärfen.

Im ersten Wahlgang verfehlt Seemann dennoch nur knapp die da nötige absolute Mehrheit um eine Stimme. Von 52 abgegebenen Voten vereint sie 26 auf sich, gefolgt von Fischer (10), Brosch (7), Hlawatsch (5) und Stähle (4). Über 50 Prozent holt sie dann in Wahlgang zwei, wo die einfache Mehrheit genügt hätte (27 Stimmen vor Fischer mit 15, Stähle mit 5, Brisch mit 3 und Hlawatsch mit 2).

Kauffmann Ersatzkandidat

Der Applaus im Saal ist ein Indiz dafür, dass Stefanie Seemann seit ihrer ersten Kandidatur an Statur in der Partei gewonnen hat. „Ich freue mich jetzt auf den Wahlkampf mit euch“, ruft sie den Parteifreunden zu.

Als Ersatzkandidat an ihrer Seite: Bernd Kauffmann aus Heimsheim, der am späten Abend gewählt wird. Einigkeit demonstrieren die Grünen an diesem Abend. Persönlich wird es nur zwei Mal aus dem Publikum: Neben Schütterles Angriff auf Seemann, geht deren Ehemann Frank-Ulrich mit seinen Fragen Hlawatsch und Christine Fischer an.

Alexander Heilemann

Alexander Heilemann

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