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Hermann Kölbel (links), ehemaliger Pastor der Süddeutschen Gemeinschaft, Maulbronner Bürger und wichtiger Unterstützer des Projekts, und Ausstellungsbegründer Tim Behrensmeier präsentieren das zentrale Werk der Ausstellung. Zum Abschluss einer jeden Führung erhalten die Teilnehmer auf Wunsch eine Ausgabe des Grundgesetzes. 

Grundgesetz-Ausstellung in Stadthalle in Maulbronn bietet Reise in die Geschichte

Maulbronn. Wer in diesen Tagen den Fruchtkasten der Maulbronner Klosteranlage betritt, dem zeigt sich ein ungewöhnliches Bild: Ein wesentlicher Teil der Stadthalle der alten Oberamtsstadt ist mit gut zweieinhalb Meter hohen Vorhängen bestückt. Hinter dem mit roten Tüchern verhangenen Eingang verbirgt sich eine nicht ganz alltägliche Ausstellung, die Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle bei der Vernissage am Freitagabend als eine „Reise in unsere eigene Geschichte“ bezeichnete. Diese Erlebnis-Ausstellung mit dem Titel „In bester Verfassung!?“ thematisiert ein „riesiges Erfolgsmodell,“ so Felchle, nämlich: das Grundgesetz.

Gemeinsam mit der Süddeutschen Gemeinschaft Maulbronn, Mühlacker und Knittlingen und der Volksmission Zaisersweiher schenkt die Stadt Maulbronn bis zum 30. September dieser etwas ungewöhnlichen Erlebnis-Ausstellung eine Heimat. Nach einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung vor gut zwei Jahren habe man sich dazu entschieden, die Grundgesetz-Schau in die Klosterstadt zu holen, erklärte Bürgermeister Felchle.

Für den Schultes, der sich selbst als Hobbyhistoriker bezeichnet, ein nicht ganz unpersönliches Anliegen: Für das Stadtoberhaupt sei es wichtig, in Zeiten, in denen das „Erfolgsmodell Grundgesetz“ bei vielen an Glanz verliere, dieser „Fehlentwicklung“ etwas entgegenzusetzen.

Dank vieler ehrenamtlicher Helfer der Süddeutschen Gemeinschaft und der Volksmission ist es nun in den kommenden Tagen möglich, gemeinsam mit sogenannten Reisebegleitern – ehrenamtlichen Stadt- und Reiseführer aus dem Maulbronner Umland – in einer 60-minütigen Zeitreise in die Erlebniswelt der Väter und Mütter des Grundgesetzes einzutauchen. Besucher dürfen dabei die typischen Museumstafeln mit Beschreibungen und Informationen zu den Exponaten vergeblich suchen. Der besondere Charme der Ausstellung liegt im Erleben – „hand-made“, „analog“, zum „unmittelbaren Hinschauen“ beschrieb Felchle, der selbst als Reisebegleiter Gruppen durch die Stadthalle führt, den besonderen Reiz des zweiwöchigen Angebots. Die Inhalte werden dabei unmittelbar von den Reisebegleitern vermittelt, die so der Führung ihre eigene Note verpassen.

Der Begründer der Grundgesetz-Ausstellung und selbst ehemaliger Pastor der Süddeutschen Gemeinschaft, Tim Behrensmeier, möchte sich mit dem Angebot bewusst von der rein faktischen Ebene des Themas Grundgesetz wegbewegen.

„Was oft zu kurz kommt, ist die Geschichte unserer Werte und woher diese kommen.“

Diese Werte hätten, so Behrensmeier, eine ganz lange Geschichte, deren Wurzeln im jüdisch-christlichen Glauben gründeten. Vor allem Schülern wolle der ehemalige Pastor und Schreiner mit seiner Vision den Stellenwert des Grundgesetzes näherbringen: „Wenn diese Generation das Grundgesetz schätzt, kann sie auch dankbar dafür sein. Aber sie muss es erst einmal kennen. Deshalb sehe ich das hier auch als Einstieg, das Ganze neu zu thematisieren.“

Diesen Stellenwert unterstrich Behrensmeier, der seit rund eineinhalb Jahren mit drei solchen Ausstellungen durch Deutschland tourt, in seiner Ansprache klar: „Wenn unsere Verfassung morgen nicht mehr gilt, ändert sich alles für uns.“

Und auch Bürgermeister Felchle betonte bereits zuvor: „Wir sind in Deutschland in verdammt guter Verfassung, aber wir müssen ununterbrochen daran und dafür arbeiten, dass es so bleibt.“