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Ein Landwirt hat in Wurmberg auf der falschen Wiese Gülle ausgebracht - jetzt muss keimfreies Wasser vom Bodensee als Trinkwasser dienen.
Ein Landwirt hat in Wurmberg auf der falschen Wiese Gülle ausgebracht - jetzt muss keimfreies Wasser vom Bodensee als Trinkwasser dienen. © dpa
09.09.2010

Gülle ausgebracht und Trinkwasser verseucht

WURMBERG/ENZKREIS. Aus Wurmbergs Wasserhähnen fließt seit zwei Wochen reines Bodenseewasser. Das Eigenwasser der Gemeinde aus Mönsheim ist durch Gülle verunreinigt, die ein Mönsheimer Bauer versehentlich in einem Wasserschutzgebiet ausgebracht hat. Um die Bevölkerung vor gefährlichen Keimen zu schützen, wird die Gemeinde nun vollständig mit Trinkwasser aus dem Bodensee versorgt.

Solche Vorfälle passieren laut Axel Beck vom Landwirtschaftsamt selten. Im Enzkreis sei man dank regelmäßiger Kontrollen für solche Ernstfälle aber bestens gewappnet.

Geständiger Landwirt

Zum aktuellen Vorfall kam es laut Wurmbergs Kämmerer Gerhard Grössle, weil ein Mönsheimer Bauer seine Wiese mit einem Wasserschutzgebiet verwechselt hat. „Der Vorfall hat sich am 25. August ereignet. Der Landwirt hat sofort alles gestanden“, erinnert sich der Kämmerer. Man habe gleich das Eigenwasser aus dem Kreislauf genommen, für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit Gefahr bestanden.

Das sieht auch Dr. Roswitha Kull vom Gesundheitsamt des Enzkreis so: „Das Trinkwasser im Enzkreis wird ständig kontrolliert. Wären Keime bereits im Kreislauf gewesen, hätten wir es gleich bemerkt.“  Rund 50 Tage dauert es laut Kull und Axel Beck, Agraringenieur beim Landratsamt, bis keine Spuren von Keimen mehr im Eigenwasser vorhanden sind. „Erst gestern haben wir wieder Proben an ein Institut geschickt“, sagt Gössle.

Das Gebiet, in dem die Verunreinigung stattgefunden hat, ist ein so genanntes Zone 2-Gebiet: es gehört nicht zum direkten Umfeld einer Quelle, allerdings darf auch hier laut Beck keinesfalls Gülle ausgebracht werden. Bei Regen versickern die Fäkalien nämlich im Boden und gelangen dadurch innerhalb weniger Tage doch noch zur Quelle.

Teures Versehen

Bis keine Keime mehr im Wasser zu finden sind, wird es deshalb abgeleitet. Die Kosten für den Mehraufwand, die Proben und natürlich die erhöhte Menge an Bodenseewasser hat der Landwirt zu tragen. „Er muss mit 8000 bis 10 000 Euro rechnen“, ist sich Gössle sicher.

In Gülle befinden sich vor allem so genannte coliforme Keime wie das Escherichia coli-Bakterium, das natürlicherweise nur im Verdauungstrakt von Säugetieren vorkommt. Im Trinkwasser hat es nichts zu suchen. Besorgt müsse die Wurmberger Bevölkerung aber nicht sein, beruhigt Kull. Man habe rechtzeitig reagiert. Die Gülle des Landwirts sei auch nicht frisch gewesen, sondern stamme aus einer Biogasanlage. Hier werden beim Gärprozess, wie Beck vom Landwirtschaftsamt weiß, sowieso schon einige Keime abgetötet. kri/sit

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