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Von den Flammen völlig zerstört wurde dieser Lastwagen. Der Brandstifter hatte in Singen im November eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Foto: Wolf, PZ-Archiv

Gutachter: Auto-Brandstifter ist schuldfähig

Remchingen-Singen.

Mit der Aussage des psychiatrischen Gutachters Dr. Ralph Schulte wurde gestern der Prozess gegen den Singener Brandstifter fortgesetzt. Wie berichtet, hat der 31-jährige in einer Nacht Ende November vergangenen Jahres mehrere Fahrzeuge in Brand gesetzt und war von der Polizei in Tatort-nähe festgenommen worden. Zum Auftakt der Verhandlung vor der Großen auswärtigen Strafkammer des Landgerichts vor einer Woche hatte der Mann die Taten eingeräumt. Nun ging es um die Frage, ob er schuldfähig ist.

Der psychiatrische Experte kam in seinen Ausführungen zu dem Schluss, dass der Angeklagte schuldfähig sei. Er bescheinigte dem Mann jedoch eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zahlreichen Ausprägungen, dabei spiele die Kindheit mit den frühen Gewalterfahrungen eine Rolle. Der 31-Jährige sei emotional instabil und handle oft sehr manipulativ. Der hohe Alkoholkonsum verstärke das Problem, außerdem dia-gnostizierte der Experte auch eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Prognose sowohl im medizinischen als auch im sozialen Bereich sah er als sehr ungünstig an, wie er betonte: Es seien mit hoher Wahrscheinlichkeit vergleichbare Delikte zu erwarten, wenn der Angeklagte nicht behandelt werde. Deshalb sprach sich der Gutachter für die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung aus, in der man verschiedene Therapien einleiten könne. Die Behandlung werde seiner Meinung nach mindestens drei Jahre dauern, danach könne man unter Umständen die Auflagen lockern. Ein Erfolg hänge auch von der Mitarbeit des Angeklagten ab.

Eine Einschätzung zur psychischen Lage des Angeklagten gab auch ein Behandler der Einrichtung ab, in der der Brandstifter derzeit untergebracht ist. Es gebe Hinweise auf eine emotional instabile Persönlichkeit, meinte er – mehr könne er derzeit nicht sagen, weil er noch nicht sehr lange für den Mann zuständig sei. Der Behandler war auf Wunsch des Angeklagten geladen worden: Er sollte wohl eine relativ schlechte Beurteilung der psychiatrischen Einrichtung geraderücken. Darin war davon die Rede, dass er sich zurückziehe und außerdem eine abwehrende Haltung einnehme – diese Punkte sah der Behandler tatsächlich anders als seine Kollegen.

Eine langjährige Bekannte des 31-Jährigen beschrieb die psychischen Probleme, die der Mann schon seit jungen Jahren gehabt habe. Es habe immer wieder Hochs und Tiefs gegeben, so die Frau. Dennoch sehe sie eine positive Entwicklung: Er habe sich mehr im Griff als früher. Wenn er keinen Alkohol trinke, sei er besonders stabil.

Der Prozess wird am Mittwoch, 29. April, um 9 Uhr fortgesetzt. Dann werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sowie das Urteil erwartet.