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Polizisten durchsuchen am 24. Januar, dem Tag des Urteils im Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der verbotenen türkisch-nationalistischen Straßengang «Osmanen Germania BC» vor dem Landgericht Stuttgart, ein Auto von Prozessbesuchern. Foto: dpa

Haft- und Bewährungsstrafen gegen Osmanen - Straßengang war auch in der Region aktiv

Stuttgart. Führende Mitglieder der verbotenen türkisch-nationalistischen Straßengang «Osmanen Germania BC» sind zu mehrjährigen Haft- oder Jugendstrafen verurteilt worden. 2016 und 2018 hatten auch in Pforzheim und Niefern-Öschelbronn Polizeiaktionen gegen die Osmanen für Aufsehen gesorgt.

Der ehemalige Stuttgarter Präsident muss nach dem Urteil des Landgerichts Stuttgart vom Donnerstag sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Der ehemalige sogenannte Vize-Weltpräsident bekam eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Gegen zwei Angeklagte - darunter den früheren «Weltpräsidenten» - wurden Bewährungsstrafen verhängt (Az.: 3 KLs 201 Js 117340/16).

Den sieben Angeklagten im Alter zwischen 20 und 49 Jahren wurden unter anderem gefährliche Körperverletzung, räuberische Erpressung und Drogendelikte zur Last gelegt. Von den ursprünglichen Vorwürfen des versuchten Mordes und versuchten Totschlags rückten Anklage und Kammer im Laufe des zehnmonatigen Prozesses ab.

Die rockerähnliche Gang war wegen Gefährdung der Allgemeinheit im Juli 2018 bundesweit verboten worden. In diesem Rahmen waren mehrere Objekte in Baden-Württemberg untersucht worden - eins davon in Niefern-Öschelbronn.

In Pforzheim hatten sich im Juli 2016 rund 600 Personen aus dem Osmanen-Umfeld auf der Wilferdinger Höhe getroffen. Das damals neugegründete Pforzheimer Chapter hatte in eine ehemalige Diskothek an der Julius-Moser-Straße geladen. Rund 200 Polizisten waren vor Ort. 

Nach Angaben des Gerichts ging es in der Verhandlung aber nicht um die politische Dimension der «Osmanen», sondern um Bandenkriminalität und interne Bestrafungsaktionen: Etwa um das brutale Vorgehen gegen ein abtrünniges Mitglied in Herrenberg im Jahr 2017. Dem einstigen Chef der «Osmanen» im hessischen Gießen wurden dabei Zähne ausgeschlagen und ihm wurde in den Oberschenkel geschossen.

Der Vorsitzende Richter sagte, es handle sich bei den «Osmanen» nicht um eine bis ins letzte durchstrukturierte Organisation, sondern «eher um ein großes Franchise-Unternehmen», in dem jeder mit genügend Geld seinen eigenen Ableger gründen könne.

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