Harry Wörz PK 1
"Warum sollte ich zufrieden sein?", sagte Wörz bei einer selbst anberaumten Pressekonferenz im Pforzheimer Hotel Residenz. 

Harry Wörz: Schlussstrich war gesundheitlich nötig - Tätersuche muss aber weitergehen

Nach dem Vergleich mit dem Land Baden-Württemberg ist für Harry Wörz das Ringen um Entschädigung für viereinhalb Jahre zu Unrecht verhängte Haft und die Belastung durch den Prozessmarathon danach zu Ende.

Macht ihn das zufrieden? "Warum sollte ich zufrieden sein?", sagte Wörz bei einer selbst anberaumten Pressekonferenz im Pforzheimer Hotel Residenz: "Ich habe das beenden müssen schon mit Blick auf meine Krankheit." Er habe die kleine Chance ergreifen wollen, nach Jahren juristischer Kämpfe um seine Unschuld, später dann um die Entschädigung, etwas zur Ruhe zu kommen. Wird das gelingen? Den Eindruck erweckt Wörz nicht. Vor allem kritisierte er, dass die Sonderermittler nach seinem endgültigen Freispruch die Tätersuche zwar zunächst weitergeführt, die Akten aber mittlerweile ohne Ergebnis geschlossen hätten. Der wahre Täter laufe weiter frei herum, da dürfe man nicht aufhören zu ermitteln. Sein Vorwurf: "Die Polizei will gar nicht weitermachen, weil sie in den eigenen Reihen suchen müsste."

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Harry Wörz spricht bei Pressekonferenz

Wörz war 1997 verhaftet worden, nachdem jemand seine Ex-Frau angegriffen und fast zu Tode gedrosselt hatte. Das Opfer war Polizistin genau wie ihr Vater und der zunächst kurzzeitig ebenfalls in Verdacht geratene Geliebte. Im Prozess, bei dem Wörz' schließlich 2010 seine Unschuld bestätigt worden war, hatte das Gericht unter anderem bemängelt, dass die Ermittler sich zu schnell auf Wörz festgelegt hätten.13 Jahre nach der Tat konnten die eingesetzten Sonderermittler aber keine heiße Spur zu einem anderen Täter finden können.

Wörz lässt all das nicht mehr los. Er wolle versuchen, mit dem gerichtlichen Schlussstrich auch für sich zu einem Ende zu finden. Um Leiden loszuwerden wie Schlaf- und Angststörungen, Depression oder Erschöpfung. Um die eigene Familie von der ständigen Belastung durch die Beschäftigung mit dem Fall zu befreien. Doch seinen "Schutzschild" aus Akten gibt er noch nicht aus den Händen. Auch der Zorn auf Polizei, Justiz und Politik sitzt noch tief.

Die Vergleichssumme ordnete Wörz gemeinsam mit Anwältin Sandra Forkert-Hosser ein. Ziehe man Steuern, Beträge für Rente , selbstverständliche Beträge ab, bedeuteten die vereinbarten 450000 Euro für Wörz bis zum Rentenalter rund 600 Euro monatlich. Forkert-Hosser kritisierte es als entwürdigend, dass einem zu Unrecht Verurteilten wie Wörz von der Gesetzeslage die volle Beweislast beispielsweise für entgangene Verdienste auferlegt würde, die er gehabt hätte, wäre sein Leben nicht aus der Bahn geworfen worden.

Mehr lesen Sie am Mittwoch in der Pforzheimer Zeitung.

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