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Harry Wörz  will weiter um eine gerechte Entschädigung für seinen langen Kampf gegen die Haftstrafe und ihre negativen Folgen kämpfen. Foto: Seibel
Harry Wörz will weiter um eine gerechte Entschädigung für seinen langen Kampf gegen die Haftstrafe und ihre negativen Folgen kämpfen. Foto: Seibel
25.02.2016

Harry Wörz kämpft weiter um mehr Entschädigung

Birkenfeld-Gräfenhausen. Als Harry Wörz jahrelang für den Freispruch vom Vorwurf kämpfte, seine Ex-Frau fast zu Tode gedrosselt zu haben, halfen ihm seine gründlich zusammengetragenen Akten. Über fünf Jahre, nachdem der Bundesgerichtshof seine Unschuld bestätigte, hat sich der Gräfenhäuser wieder mit Akten gewappnet. Sie dokumentieren sein Ringen um eine Entschädigung für die Jahre im Gefängnis und das Leben in einer Prozessmühle. Für Verdienstausfälle, verlorenen Besitz und – das ist Wörz ganz wichtig – die entgangenen Rentenansprüche. Der Versuch der Generalstaatsanwaltschaft, ihm mit dem Angebot einer sechsstelligen Summe entgegenzukommen, hat ihn nicht beeindruckt.

Harry Wörz will weiter kämpfen. Er schaut aus einem völlig anderen Blickwinkel auf die Frage, was die ihm genommenen Jahre wert sind, als das die Juristen tun. Und er ringt dabei mit den gesundheitlichen Folgen und psychischen Belastungen der bereits 19 Jahre seit seiner einstigen Verhaftung. Derzeit ist er erwerbsunfähig. Bis Ende 2016 erhält er monatliche Zahlungen des Landes. Danach müsste dieses Geld regelmäßig auf den Prüfstand.

Die Generalstaatsanwaltschaft, die ihm als Vertreterin des Landes im Zivilverfahren um die weitere Entschädigung vor dem Karlsruher Landgericht gegenübersteht, nennt die angebotenen Summen nicht. Wörz tut das auch nicht. Aber er habe mit Experten durchgerechnet, was beispielsweise 250.000 Euro für ihn ausmachen würden, sagt er. Ungefähr die Hälfte sei nach Steuern und weiteren Abgaben abzuziehen. Den verbliebenen Betrag legt er um auf entgangene Erwerbsjahre und die Jahre bis zum Rentenalter: 35 insgesamt. So kalkuliert, blieben ihm keine 300 Euro im Monat, so Wörz. Und dabei müsse er noch einen Anteil für die Rente zurücklegen, wenn der Staat ihm die entgangenen Beiträge nicht ersetze.

Harry Wörz blickt auf die staatlichen Vertreter im Entschädigungsstreit bis hin zu Justizminister Rainer Stickelberger mit ähnlicher Verbitterung wie auf die Ermittlungsbehörden in seinem ursprünglichen Fall. In seinen Akten hat er auch die alten Wunden noch dabei: die Fehler von Polizei und Staatsanwälten, die offene Frage nach dem wahren Täter. All das lässt den Gräfenhäuser nicht mehr los.