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11.04.2008

Hausverbot als Notlösung

STRAUBENHARDT. Die einen haben einen Jugendtreff mit eigenem Vereinslokal, die anderen jungen Leute wollen nirgendwo dazugehören und sorgen öfter mal für Ärger. Der Gemeinderat sucht deshalb nach Lösungsansätzen.

Das Thema brenne ihm schon eine ganze Weile unter den Nägeln, sagt Gemeinderat Horst Reiser. Immer wieder würden die Gemeinderäte von Bürgern auf Probleme mit Jugendlichen angesprochen werden. „Es gibt vier oder fünf Splittergruppen, die oft bei den einzelnen Turnhallen über Müll oder Sachbeschädigung mehr als unangenehm auffallen“, nennt er das Problem beim Namen.

„Gehofft, einbinden zu können“

Man müsse auf jeden Fall eine Lösung finden, schließlich wolle man diese Jugendlichen nicht abschreiben. „Die brauchen mehr als nur einen geduldeten Treff. Sie brauchen einen eigenen Raum“, sagt Reiser.Aus diesem Grund habe er gehofft, dass diese sogenannten „Problem-Jugendlichen“ über den AJCS (Aktiver Jugendclub Schwann) kanalisiert beziehungsweise dort irgendwie eingebunden werden könnten. „Aber nach dem Gespräch mit dem AJCS-Vorstand werden wir wohl weiter nach einer Lösung suchen müssen“, so der Gemeinderat. Er habe die vage Hoffnung, dass der Kreis die Gemeinde mit geschulten Leuten unterstütze. Und im Gemeinderat werde derzeit unter anderem auch diskutiert, ob man die halbe Jugendpflegerstelle nicht aufstocke.
„Die haben nichts, wo sie hingehören beziehungsweise wo sie hingehen können“, sagt auch Philipp Goike, Vorsitzender des AJCS . Deshalb würden etliche Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren an den Wochenenden unter anderem bei den Veranstaltungen des Schwanner Jugendclubs auftauchen.

Das Problem dabei: „Die Leute im AJCS sind überwiegend Rocker und Punker, und die anderen sind Hip Hopper“, verweist Goike auf die unterschiedlichen Stilrichtungen und Weltanschauungen, denen die Jugendgruppen angehören. „Das passt einfach nicht zusammen“, argumentiert er. Das heiße nicht, dass die anderen Jugendlichen kriminell seien und die Leute im AJCS ohne Fehl und Tadel, so der junge Mann.

Vor vier Wochen gab es Ärger

Neben Pöbeleien gehe es aber auch mal heftiger, etwa mit Schlägen, zu Sache, erzählt Philipp Goike. So wie vor ungefähr vier Wochen. Da habe es auch mal wieder Ärger gegeben. Aufgrund des Hausrechts habe er dann die Polizei gerufen. „Mehr als ein Hausverbot geht aber nicht“, sagt er und meint damit auch, dass diese Maßnahme nicht die Lösung für die Zukunft sein könne. Aber irgendwie müsse er und der Jugendclub die Möglichkeit haben, Probleme zu unterbinden, weil es sonst dem Ruf des AJCS schade.

Er habe den Hip Hoppern schon geraten, sich für eine eigene Hütte einzusetzen. Die Jugendpflegerin habe ihnen auch was angeboten. „Aber das wollen sie nicht. Sie sind ja zum Teil noch minderjährig und wollen ihre Eltern weder bei der Renovierung noch sonst wie dabei haben“, sagt er.

Jugendpflegerin Christiane Eng betont, dass sie Kontakt zu den sogenannten „Problem-Jugendlichen“ habe, über die Vorfälle informiert sei und immer wieder an die Vernunft appelliere, dass sie nichts verschmutzen, beschädigen. Erst neulich hätten die jungen Leute über die Streichaktion im Parkhaus bei der Wohnidee ja auch gezeigt, dass sie nicht nur Ärger machen. „Aber das wird es immer geben, dass etliche Jugendliche mit dem Angebot der Jugendpflege oder dem der Vereine nichts anfangen können“, gibt sie zu verstehen. Sie habe derzeit nicht das Gefühl, dass ihr die Situation entgleite. „Ich treffe mich auch regelmäßig mit der Polizei und bespreche, was wie und wo geht“, informiert sie. Auch von Seiten der Polizei wird die Sache ähnlich eingeschätzt. „Es sind keine Zustände, die aus unserer Sicht wirklich beunruhigend wären“, sagt Rüdiger Schroth, Pressesprecher der Polizei. „Wir haben einen Überwachungsauftrag, der ernst genommen wird.“