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22.04.2009

Heftige Kritik an Ermittlungen im Fall Wörz

MANNHEIM/BIRKENFELD. Mit scharfer Kritik an den Ermittlungen hat der dritte Prozess im Mammut-Verfahren gegen den Installateur Harry Wörz aus Birkenfeld begonnen. „Die Polizei hat in skandalöser und beschämender Weise ermittelt“, sagte Verteidiger Ralf Neuhaus am Mittwoch vor dem Landgericht Mannheim.

Nachdem Wörz vor nahezu genau zwölf Jahren seine Ex-Frau in ihrer Wohnung fast erwürgt haben soll, seien Beweismittel verschwunden und der Tatort sei nicht versiegelt worden. Bis heute weigere sich die Staatsanwaltschaft, gegen andere Personen zu ermittelt, obwohl es andere Tatverdächtige gegeben habe.

Neuhaus appellierte an das Gericht, bei der Neuauflage unbefangen an das Verfahren heranzugehen. Sein Mandant habe etwas Angst vor der Mannheimer Justiz. Er sei „unruhig und besorgt“. Aus Sicht des zweiten Verteidigers von Wörz ist die Beweislage knapp zwölf Jahre nach der Tat schwierig. „Vieles in der Erinnerung wird überlagert sein“, sagte er.
Wörz soll vor nahezu genau zwölf Jahren seine Ex-Frau in ihrer Wohnung mit einem Wollschal fast erwürgt haben. Die damals 26 Jahre alte Polizistin ist seit der Attacke in der Nacht zum 29. April 1997 schwerst hirngeschädigt und kann nicht mehr aussagen. Wörz wurde für das Verbrechen 1998 verurteilt und saß einen Teil der Strafe im Gefängnis ab.

Neuhaus ist neu in dem Verfahren gegen den 42-jährigen. Der Karlsruher Anwalt Hubert Gorka, der Wörz während des gesamten Verfahren begleitet und ein Wiederaufnahmeverfahren für ihn erkämpft hatte, hat ihn zur Verstärkung hinzu geholt. dpa