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Der überflutete Marktplatz in Stein. © Nico Roller
07.06.2016

Heftige Regenfälle: Stein überflutet, Autos aufeinander geschoben

Nach heftigen Regenfällen und Gewittern am Dienstagabend sind in Stein mehrere Keller vollgelaufen. Die Ortsmitte war überflutet, nun ist das Wasser aber weitgehend abgelaufen.

Die Bewohner versuchten mit allen Mitteln zu verhindern, dass ihr eigener Keller auch voll läuft. So wurden Biertische als Barrikaden aufgestellt oder das Wasser mit Mühe aus den Einfahrten gefegt. Verletzte gibt es nach den Informationen der Polizei keine. Alleine in Stein rechnet die Feuerwehr mit 100 bis 120 vollgelaufenen Kellern. Eine Person habe man unverletzt aus einer überfluteten Garage befreien können.

Betroffen sei insbesondere das Gebiet um die Bauschlotter Straße und die Keltenstraße. Die Wassermassen seien sehr punktuell auf Stein herabgefallen, den Nachbarort Königsbach hat es bei weitem nicht so heftig erwischt. Im restlichen Enzkreis war das Gewitter nur als leichter Regen oder dumpfes Donnern wahrnehmbar. Leser aus Birkenfeld und Eutingen berichten lediglich von Blitzen, aber keinesfalls von sintflutartigen Regenfällen. 

Für Aufsehen sorgte ein Mann, der mit einer Luftmatratze durch die Fluten am Steiner Marktplatz geschwommen ist. Die Meinungen in den sozialen Netzwerken gehen dazu aueinander, immerhin ist die Aktion nicht ganz ungefährlich.

Von dem Unwetter betroffen waren auch Söllingen und Berghausen sowie Weingarten, Untergrombach und Teile des Karlsruher Stadtgebiets. Im Landkreis Karlsruhe kam es insgesamt zu 65 Einsätzen der Feuerwehr, im Stadtgebiet von Karlsruhe zu sieben weiteren. Nach Angaben der Polizei hat es einen Niederschlag von bis zu 30 Litern pro Quadratmeter gegeben. Auch im Raum Karlsruhe gab es keine Verletzten.

Mehr dazu lesen Sie am Mittwoch in der "Pforzheimer Zeitung".

Bildergalerie: Heftige Regenfälle: Ortsmitte von Stein überflutet - Teil 1

Bildergalerie: Heftige Regenfälle: Ortsmitte von Stein überflutet - Teil 2

Bildergalerie: Leserfotos: Überflutungen in Königsbach-Stein

Hintergrundinformationen: Hochwasser in der Region

Die Menschen im Enzkreis und in Pforzheim und besonders auch die Bürger Königsbach-Steins haben Erfahrung mit fatalen Fluten. Die Region wird immer wieder getroffen. Einige Beispiele:

6. Juni 2015: Eine einzelne Gewitterzelle bildete sich genau über Bretten, tobte sich dort aus und verschwand sofort wieder. Die Melanchthonstadt war in weiten Teilen überflutet. In Nachbarorten war zum Teil kein Tropfen Regen gefallen.

1. und 2. Juni 2013: Nach tagelangen Niederschlägen schluckten die Böden in der ganzen Region das Wasser nicht mehr, Bäche wuchsen zu Flüssen, Wiesen zu Seen, von Hängen schossen Fluten mit Schlamm und Geröll hinab. Ganz ähnlich wie gestern Abend in Stein. Betroffen waren viele Gemeinden, besonders stark etwa Ötisheim, Illingen, Remchingen, Keltern, Bretten und einige Teile Pforzheims.

21. und 22. März 2002 – die Lage glich derjenigen vom 1. Juni 2013 auf verblüffende Weise. Dauerregen, vollgesogene Böden und Oberflächenwasser, das Ortschaften und Straßen überflutete und in Hauskeller lief.

19. Juli 1999: Schömberg und Unterreichenbach wurden von einer schlammigen Wasserwalze verwüstet. Ein Bach hatte sich nach heftigem Regen in einen reißenden Strom verwandelt, der in Unterreichenbach mitten durch ein Wohnhaus brach. Die Bilanz: Schäden von etlichen Millionen Euro. n 1994: Tagelanger Regen im Mai führte zu einer Flut, die in Straubenhardt rund 430 Gebäude beschädigte. Im Juni war Land unter in Kommunen entlang der Pfinz. In Königsbach wurden Autos auf einem Hof zusammengeschwemmt.

Dezember 1993: Jahrhunderthochwasser an der Enz. In Pforzheim stand der Pegel bei 3,36 Metern. Teile der Innenstadt Neuenbürgs waren überflutet und zeitweise abgeschnitten. In Dürrmenz und Mühlhausen standen ganze Straßen unter Wasser. Tagelang kämpften Feuerwehr, THW und Stadtwerke in der Senderstadt gegen das Wasser und seine Folgen.

Februar 1990: Die Enz stieg auf 2,79 Meter, durchbrach in Eutingen einen Damm, Schule und Kindergarten mussten evakuiert werden.

17. Mai 1827: Der „Steiner Wassertag“ gilt als schlimmste Flutkatastrophe in der Region. Nach einem Gewitter sollen Fluten zwei Meter hoch durch die Gassen geschossen sein. Zehn Menschen kamen ums Leben.

hei