nach oben
Eine „Welturaufführung“ war das Benefizkonzert in der Kirche St. Bernhard in Stein zugunsten der Flüchtlingsarbeit in der Gemeinde. Etwas mehr Zuspruch hätte man dieser besonderen, von den gut 80  Besuchern begeistert aufgenommenen Veranstaltung dennoch gewünscht. Faulhaber
Eine „Welturaufführung“ war das Benefizkonzert in der Kirche St. Bernhard in Stein zugunsten der Flüchtlingsarbeit in der Gemeinde. Etwas mehr Zuspruch hätte man dieser besonderen, von den gut 80 Besuchern begeistert aufgenommenen Veranstaltung dennoch gewünscht. Faulhaber
13.03.2016

Heimatgefühle in Text und Ton: Beeindruckendes Benefizkonzert in der Steiner Kirche

Zu einem „ganz besonderen Abend“ hieß Pfarrer Thomas Otmar Kuhn die Besucher des Benefizkonzerts in der katholischen Kirche St. Bernhard in Stein willkommen. Ein Abend, in dem man eintauchen werde in eine Zeit, „die uns als Geschenk und Vermächtnis zu Bewusstsein bringt, was dieser Ort, was die Menschen ausmachte“.

Kuhn hieß besonders den Komponisten und Musiker Roman Rothen willkommen, der das Konzept, die Texte und die Musik zusammengestellt hat. Er begrüßte alle Mitwirkenden des Konzerts, dessen Spendenerlös der Flüchtlingsarbeit in der Gemeinde zugute kommt.

Bürgermeister liest Geschichten

Dem Jugendchor Stein-Eisingen unter Stabführung von Beatrix Mann oblag es, diesen Abend musikalisch zu eröffnen – die klaren Mädchenstimmen lediglich durch Roman Rothens Kontrabass begleitet. Bürgermeister Heiko Genthner stimmte mit dem Beitrag „Schau dich um“, eine Hommage an das Dorf und die umgebende Landschaft, auf die nachfolgenden Geschichten, Märchen und Sagen aus Königsbach-Stein ein. Sie wurden abwechselnd von ihm, von Pfarrer Oliver Elsässer und vom katholischen Kirchengemeinderat Udo Mack vorgelesen. Rothen hatte ausgiebig in den Heimatbüchern gekramt, und so manche Geschichte hervorgeholt, die etliche der erstaunten wie amüsierten Zuhörer dazu animiert haben wird, zu Hause wieder im Heimatbuch zu schmökern.

Das Trio Roman Rothen (Kontrabass), Ulrike Rothen (Querflöte) und Nicola Hiller (Violine) eröffnete seinen Part mit dem sakralen Stück „Das deudsch Sanctus“ von Martin Luther. Die übrigen musikalischen Beiträge des Abends stammten überwiegend aus Rothens Feder, verwoben sich mit den vorgetragenen Sagen und Geschichten zu wunderbaren Stimmungsbildern durch Musikelemente aus Jazz, Swing, Musette, Romantik oder Kammermusik.

Märchen und Gedichte

Von Sommerhähnen und Fassnachtshühnern, die einst von den Bauern an die Schlossherrschaft geliefert werden mussten, las Udo Mack, bevor das Trio eine „Badische Musette“ zum Besten gab und Pfarrer Elsässer die Leiden eines jungen Kollegen vor seiner ersten, wettergebeutelten Predigt im Jahr 1896 öffentlich machte. Märchenhaftes wie das „Hexenloch“ folgte, das nach dem Abriss der Amtsdienerscheune hinter dem Steiner Rathaus wieder zum Vorschein kam. Und ob das „Feuermännlein“ eine Vorlage zu Harry Potter und der gefangene von Askaban sein könnte, wie Genthner andeutete, darüber konnte ebenso spekuliert werden wie darüber, ob Oliver Elsässer absichtlich die Geschichte „Schimpfen auf den Pfarrer“ zugeteilt wurde.

Auch Gedichte waren zu hören, wie die gereimten Zehn Gebote von Johannes Heynlin, Steins großem Sohn. Musik und Gesang rundeten den Abend ab. Ein Interview, das Pfarrerin Gertrud Diekmeyer mit der vor 20 Jahren nach Deutschland geflohenen Iranerin Parwin Charooseh führte und die Probleme von Flüchtlingen deutlich machte, erinnerte an den Anlass der Veranstaltung. Bürgermeister Genthner lud zum Austausch auch mit Flüchtlingen in den Saal unter der Kirche und zur ehrenamtlichen Mitarbeit beim „runden Tisch Asyl“ ein.