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Herzlicher Empfang für Ministerin von der Leyen im König-Karls-Bad. Foto: Privat
Herzlicher Empfang für Ministerin von der Leyen im König-Karls-Bad. Foto: Privat
13.09.2017

Heimspiel vor rekordverdächtiger Kulisse: Bundesverteidigungsministerin in Bad Wildbad

Bad WIldbad. Es gibt ihn doch noch, den echten, leidenschaftlichen, lauten Wahlkampf. Der Auftritt von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gestern in Bad Wildbad war solch ein Beispiel. Ein Heimspiel vor rekordverdächtiger Kulisse im Forum König-Karls-Bad. „Das ist schon überraschend, damit haben wir eigentlich nicht gerechnet“, musste selbst Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack angesichts der unfassbar langen Warteschlangen vor dem Gebäude bekennen. „So was haben wir hier wirklich noch nie erlebt.“

Drinnen sieht es CDU-Fan Hans aus Bad Wildbad viel gelassener. „Das war doch abzusehen, wenn man sich die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre hier anschaut. Wir wählen schwarz.“ Zehn Minuten, eine Viertelstunde habe er vor der Tür anstehen müssen mit den anderen. Warum er sich das antut? „Na, um einen guten Sitzplatz zu bekommen.“ Was er erwarte? „Nichts. Außer die Ministerin mal live und in Farbe zu sehen.“ Tatsächlich finden längst nicht alle Zaungäste dieser Veranstaltung einen Sitzplatz in dem prächtigen historischen Saal.

Gutes Verhältnis

CDU-Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Fuchtel macht den Einpeitscher der Versammlung, berichtet von seiner Zeit als Staatssekretär unter von der Leyen, als diese noch das Arbeitsministerium leitete. Aus dieser Zeit auch kennen sich die beiden – besonders gut. So gut, dass er die heutige Verteidigungsministerin auf jeden Fall in seinen Wahlkreis locken konnte. Und Bad Wildbad sollte es für deren Auftritt sein, weil genau diese Stadt ihm, Fuchtel, bei der vergangenen Wahl mit das beste Wahlergebnis überhaupt geschenkt hatte.

Und dann ist der Star des Abends da – superpünktlich. Darf man da angesichts des ersten Herbststurms sagen: „Bad Wildbad, 16.30 Uhr, der Orkan tobt über dem Nordschwarzwald. Die Frisur sitzt perfekt.“ Der Auftritt zu „Germanys Next Top-Politiker“ kann beginnen. Das Wildbader Kurorchester macht mit schmissigen Evergreens die Show-Kapelle. Von der Leyen, Tochter von Niedersachsens einstigen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, ist absoluter Politikprofi. Und spürt sofort, dass ihr hier die Herzen nur so zufliegen. Null Kritik an den diversen Ausrüstungs-Desastern in ihrer Truppe. Nicht der kleinste Schatten wegen der Führungs-Vorwürfe in Richtung der ausgerechnet im hiesigen Wahlkreis ansässigen Kommando Spezialkräfte (KSK).

Stattdessen breite Unterstützung für Wahlkämpfer Fuchtel durch die Ministerin. Und reichlich Wahlgeschenke, zum Beispiel auch in Bezug auf das KSK: „Wir werden in den nächsten Jahren weiter 84 Millionen Euro in den Ausbau des KSK am Standort Calw investieren.“ Womit der Standort Calw natürlich für die Zukunft gesichert sei. Es folgt ein bisschen SPD-Bashing – es ist Wahlkampf.