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Eine Krankenpflegerin bereitet ein Klinikbett für einen Patienten vor. Ein neues Gesetz nimmt die Finanzierung ihrer Arbeit aus den streng regulierten Fallpauschalen heraus und will der Pflege den Kostendruck nehmen. Ziel sind auch mehr voll ausgebildete Pfleger in Kliniken – doch die Fachkräfte sind derzeit rar. Foto: Karmann, dpa-Archiv
Eine Krankenpflegerin bereitet ein Klinikbett für einen Patienten vor. Ein neues Gesetz nimmt die Finanzierung ihrer Arbeit aus den streng regulierten Fallpauschalen heraus und will der Pflege den Kostendruck nehmen. Ziel sind auch mehr voll ausgebildete Pfleger in Kliniken – doch die Fachkräfte sind derzeit rar. Foto: Karmann, dpa-Archiv
28.12.2018

Heiß umkämpfte Helfer: Pflegepersonal-Stärkungsgesetz und die Folgen

Enzkreis/Bad Wildbad/Karlsbad. Bundesweit soll das neue Gesetz ab Januar die Krankenpflege aufwerten. Betroffen sind besonders die Krankenhäuser. Das Echo der Kliniken in der Region ist geteilt. Hauptgrund: Es fehlt heute schon an Fachkräften.

Wer krank ist oder verletzt, der sehnt sich nach pflegenden Händen von Menschen, die wissen, was sie tun. Die persönliche Wertschätzung stand aber lange Zeit in einem Missverhältnis zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Pflegeberufe. Ein Bundesgesetz will das ab dem 1. Januar ändern – und die Pflege aus dem streng regulierten Finanzierungssystem der Fallpauschalen herausnehmen. Über die Krankenkassen sollen zusätzliche Pflegestellen – und auch künftige Tarifsteigerungen – voll getragen werden. Gleichzeitig setzt der Gesetzgeber höhere Untergrenzen für examinierte Pflegekräfte in besonders sensiblen Bereichen wie Intensiv-, Altersmedizin, Kardiologie oder Unfallchirurgie. Weitere wie Neurologie oder Herzchirurgie sollen folgen.

Mit dieser doppelten Stoßrichtung bereitet die Regelung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Kliniken in der Region aber auch Kopfzerbrechen. Denn die fürchten heute schon, dass die Schere zwischen dem Bedarf an Krankenpflege und der tatsächlichen Zahl von Fachkräften immer weiter aufgeht. So formuliert es Professor Jörg Martin, Geschäftsführer der Regionalen Kliniken Holding (RKH), zu der auch die Enzkreis-Kliniken gehören. Unterstützung erhält er mit seiner Skepsis von den Sana-Kliniken Bad Wildbad: „Angesichts der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt wird eine merkliche Aufstockung an Pflegekräften kaum zu erwarten sein“, heißt es aus der Unternehmenskommunikation.

Immerhin: Wenn man an dem Fachkräftemangel etwas ändern wolle, dann sei das Gesetz ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung, meint Jörg Schwarzer, Geschäftsführer des SRH Klinikums Langensteinbach. Er hofft auf einen Impuls für junge Frauen und Männer, eine Pflegeausbildung anzustreben. Dass der Wettbewerb um Fachkräfte aber kurzfristig groß sein wird, das sieht Schwarzer genauso wie Jörg Martin. Der RKH-Chef meint zudem, dass Kliniken verstärkt auch um Altenpfleger werben werden. Pflegeheime würden so in einen Wettlauf hineingezogen, für den sich die Klinik-Vertreter mit Blick auf finanzielle und berufliche Anreize besser gerüstet sehen.

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