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Brigadegeneral Dag Baehr vor einem der neuen Mehrzweck-Hubschrauber.
Brigadegeneral Dag Baehr vor einem der neuen Mehrzweck-Hubschrauber.
11.12.2015

Helikopter für die KSK-Spezialeinheit

„Das ist wie Weihnachten – Spielzeug für die ganz großen Jungs.“ Brigadegeneral Dag Baehr hatte am Donnerstag das breiteste Grinsen von allen bei der Übergabe der neuen Hubschrauber, die „seine Jungs“ vom Kommando Spezialkräfte (KSK) künftig exklusiv zu Einsätzen bringen sollen. Denn scheinbar gelingt bei dem KSK alles, was sonst speziell bei der Bundeswehr regelmäßig schiefzugehen pflegt. Zum Beispiel in der Beschaffung.

Stationiert werden die am Donnerstag übergebenen ersten zwei – von künftig insgesamt 15 – Hubschrauber vom Typ H145M (LUH SOF = „Luftunterstützung Helikopter Special Operation Forces“) beim Hubschraubergeschwader 64 in Laupheim sein. Doch alleiniger Nutzer werden die bisher 1200 Angehörigen der KSK in Calw sein. Die bisher immer mit dem „Flaschenhals“ agieren mussten, nicht optimales Fluggerät für ihre Einsätze zum Beispiel hinter feindlichen Linien zu haben. Bisher konnte das KSK nur bereits vorhandene Hubschrauber der Luftwaffe und des Heeres nutzen – Allrounder für alle möglichen Einsatzarten. Aber keine „eierlegende Wollmilchsau“ für die hochspezialisierten Einsätze der Top-Kämpfer aus Calw.

Die brauchen kleine, wendige, robuste Hubschrauber, die trotzdem eine relativ hohe Zuladung an Mann und Gerät erlauben. Bei gleichzeitiger flexibler Bewaffnung und ausgefeilten Nachtsicht- und Sicherungssystemen. Das KSK agiert nun mal üblicherweise hinter feindlichen Linien, um Kundschafteraufträge oder auch Geiselbefreiungen zu übernehmen. Der H145M soll das alles nun künftig bewerkstelligen, wobei die zivile Version schon in über 10 000 Flugstunden ihre Robustheit – dank zwei unabhängiger Motoren – und absolute Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt habe: Airbus Helicopters hat dabei eine 94-prozentige Flugverfügbarkeit nachweisen können. Ein Traum, wenn man da in die anderen Beschaffungssegmente der Bundeswehr schaut.

Nach dem Geheimnis des KSK auch im Beschaffungswesen befragt, sagt KSK-Kommandeur Dag Baehr: „Wir sind eben nicht nur vorne im Feld gut und zuverlässig, sondern auch hinten“ – wobei „hinten“ den Bereich Logistik und Ausrüstung meint.

Was tatsächlich bei diesem Projekt im Detail anders lief als in anderen Teilen des Bundeswehr: Das Projekt-Team habe sich, so ein Branchenkenner, in diesem Fall einen Stichtag gegeben, an dem das sogenannte Pflichtenheft für dieses Projekt einen „finalen Status“ erhielt. „Und ab da wurden diese definierten Ziele dann rigoros umgesetzt.“

Wann genau der erste der neuen Mehrzweck-Helikopter des KSK auch seinen ersten Einsatz fliegen wird, sei derzeit naturgemäß noch offen, so Kommandeur Dag Baehr auf Nachfrage. „Das ist Sache der Politik, wann die uns den entsprechenden Auftrag erteilen werden.“

Aber inoffiziell ist aus den Reihen des KSK doch auch zu hören, dass man spätestens dann mit einem Einsatz der Hightech-Flieger rechnet, wenn – was sich keiner wünscht – einer der für Syrien bestimmten Bundeswehr-Tornados über feindlichem Gebiet abgeschossen würde. „Wer holt unsere Tornado-Piloten dann dort raus?“ – Genau dafür sei das KSK aufgestellt und ausgebildet worden. Und genau dafür wurden jetzt die neuen Einsatz-Hubschrauber angeschafft. Aber wenn sie dann tatsächlich fliegen werden, unterliegt auch das – wie alle Einsätze des KSK – wieder der absoluten Geheimhaltung.