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In der Glücksgemeinde Schömberg scheinen sich die Hexen in den Rathaus-Büros pudelwohl zu fühlen.
Keinen Respekt vor großen Tieren: Kräheneckhexe Petra Häffelin drückt dem geschäftsführenden Verleger der PZ, Thomas Satinsky, einen Stempel auf Stirne. Eine Krawatte konnte sie ihm allerdings nicht abschneiden. © Ketterl
03.03.2011

Hexen und Narren stürmen die Rathäuser

ENZKREIS. In der Region lebt es sich in diesen Tagen gefährlich. Zumindest als Beamter in Rathäusern oder Schulen. Man muss am "Schmotzigen Dunschtig" zwar nicht um Leib und Leben, aber doch um die Manneszier fürchten. Narren und Hexen sind dabei mit Scheren bewaffnet - und sie kennen keine Gnade, wenn sich ein Krawattenträger blicken lässt. Und obendrein übernehmen sie noch den Rathausschlüssel und die Amtsgeschäfte. Zumindest bis Aschermittwoch.

Pforzheim

Bildergalerie: Dillsteiner Hexen stürmen die PZ

Die Kräheneckhexen aus Pforzheim-Dillweißenstein hatten die PZ heimgesucht. Auf der Suche nach Krawatten und flüssiger Beute. Fündig wurden sie bei Stephan Schulz vom Vertrieb und ChristopherWertz von der Onlinewerbung. Bei den stattlichen jungen Männern schien es den Hexen besonderen Spaß zu machen, sie um ihre bunte Manneszier zu erleichtern. Gerne hätten sie auch ein Stück Stoff vom geschäftsführenden VerlegerThomas Satinsky mitgenommen, aber der hatte rechtzeitig den Braten gerochen und sich seines Kulturstricks entledigt. Insider behaupten allerdings, dass es um das dunkelrote, kleingemusterte Teil nicht schade gewesen wäre.

Immerhin hat er sich mit alkoholischen Getränken von einer Strafe freikaufen können. Geduldig nahm er die zahlreichen Küsschen entgegen. Da war dann auch Chefredakteur Magnus Schlecht nicht mehr zu bremsen. Für seinen mutigen Einsatz beim Hexenbesuch bekam auch er einen von den Kräheneckhexen zuvor im PZ-Sekretariat entwendeten Stempel auf die Stirne.

Neuhausen

Bildergalerie: Neuhausener Narren stürmen von allen Seiten her auf den Marktplatz

Ein lauter Böllerschuss und schon kamen die Neuhausener Narren von allen Seiten her auf den Marktplatz gestürmt. Zusammen tanzten Bietschellen, Vogelscheuchen, Monbachtrolls und D’Jonge Hexen zur Musik der Guggenmusik aus Kieselbronn im Kreis herum. Nach drei donnernd kräftigen „Hau-Hu“ hissten die drei Prinzenpaare des Hau-Hu die drei Hau-Hüte hoch über der Ortsmitte. Die Regentschaft der Narren hatte nun offiziell begonnen – zumindest bis an Aschermittwoch wieder alles vorbei ist.

Unter den Augen von Prinzessin Sandra III., Prinz Walter I. und der jungen Hoheiten wurden neue Bietschellen durch die traditionelle Taufe in den Kreis der Häßträger aufgenommen. Nach dem offiziellen Teil lockte es die Zuschauer und Narren in die umliegenden Kneipen, Party-Keller und die Schirmbar, wo das närrische Treiben erst in den frühen Morgenstunden sein Ende fand.

Kämpfelbach-Ersingen

Bildergalerie: Fleckenhexen stürmen die Ersinger Schule

In allen Sälen, auf allen Plätzen und Gassen wird fröhlich Karneval gefeiert und die Kinder müssen in die Schule gehen? Das kann und darf nicht sein, sagten sich die Mädchen und Jungs an der Ersinger Kirchbergschule und setzten an zur erfolgreichen „Schulstürmung“. Unterstützt wurden sie dabei von den schaurig-schönen „Fleckenhexen“, die in großer Zahl zum Kirchberg gekommen waren.

Nach kurzer Zeit wurden alle Lehrkräfte auf den Pausenhof geführt, wo der gelungene Streich von den Kindern und Fasnetern der Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“ bejubelt wurde. Lehrerin Michaela Schwab überreichte dem „Fledermaus“-Kinderprinzenpaar Joel I. und Jule I. die Schlüssel und erklärte die Schule bis zum Ende des Karnevals am Aschermittwoch für geschlossen.

Kämpfelbach-Bilfingen

Bildergalerie: Der Narrenbund Kakadu regiert jetzt im Rathaus Bilfingen

In Kämpfelbach-Bilfingen gewinnen die Narren in diesen Tagen die Oberhand. Und so hatten die ganz normalen Bürgerlichen beim Rathaussturm des Narrenbundes „Kakadu“ keine Chance gegen Kakadus, Ebbtrolle und Schildwachhexen. Die waren einfach in der Überzahl und so penetrant und gefährlich, dass sie im Handumdrehen die Macht übernahmen.

Aber das Rathaus bleibt nur vorübergehend in Narrenhand. Schultes Kleiner wurde nämlich nur bis Aschermittwoch in Urlaub geschickt. 

Schömberg

Bildergalerie: Schömberger Narren stürmen das Rathaus

Erstmals seit sieben Jahren haben die Schömberger Narren wieder das Rathaus in ihrem Ort gestürmt und bis Aschermittwoch die Regentschaft in der Glücksgemeinde übernommen. Bettina Mettler, die seit April 2007 an der Spitze der Schömberger Gemeindeverwaltung steht, wurde erstmals von den Eulenloch-Hexen heimgesucht und gab denn auch offen zu, „richtig Herzklopfen“ gehabt zu haben.

Unter der Leitung von Zunftmeister Helmut Lülf zogen die Hexen von 10 Uhr an durch die Flure und Räume des Rathauses und suchten eifrig, aber vergeblich nach Krawattenträgern, um die Schlipse zu kürzen. Keiner der Mitarbeiter hatte aber einen Binder an, so dass die Narren erst auf ihre Kosten kamen, als sie kurz vor 10.30 Uhr in das Büro der Bürgermeisterin eindrangen, die Verwaltungschefin gefangen nahmen und ihr im sonnendurchfluteten Rathausfoyer die Leviten lasen. Bettina Mettler nahm es mit Humor und lud die Meute nach Übergabe des Rathausschlüssels zu Berlinern, Brezeln, Zopf und Sekt ein.

Karlsbad-Ittersbach

Bildergalerie: Ittersbacher Narren sperren Rathaus-Mitarbeiter in den Narrenkäfig

Auch in diesem Jahr entzog sich Bürgermeister Rudi Knodel wie auch Ortsvorsteher Günter Metz gerade noch rechtzeitig vor dem Ittersbacher Rathaussturm dem fasenachtlichen Treiben. Nachdem die Hexen der Ittersbacher Zunft erneut Ebbe in der Karlsbader Gemeindekasse registrierten, mussten schließlich Bürgermeister-Stellvertreter Peter Kiesinger und der stellvertretenden Ortsvorsteher Michael Gossenberger das Narren-Tribunal über sich ergehen lassen. Zur Strafe für die „nachhaltige Misswirtschaft“ kamen beide in den Narrenkäfig, wo sie bis Aschermittwoch bei Wasser und Brot darben.

Freude hatten die kleinen Narren, die rasch einige Hundert Schokoladetaler in der Kasse entdeckten, die vom Zunftrat zum „sofortigen Verzehr“ freigegeben wurden. Pünktlich um 19.11 nach der Narrenuhr hatten die Hexen mit ihren „Jaköblen“ und „Stöckmädlen“ zum Rathaussturm angesetzt. Mit dem Hexentanz um das große Hexenfeuer unter den Klängen der „Ittersbacher Narrenmarsches“, gespielt vom Musikverein „Edelweiß“, wurde die erfolgreiche Machtübernahme gebührend gefeiert.

Remchingen-Wilferdingen

Bildergalerie: Auch in Wilferdingen stürmten die Narren das Rathaus und übernahmen die Amtsgeschäfte

Ohne ernsthafte Gegenwehr überlies Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon dem Prinzenpaar Jenny und André den überdimensionalen Rathausschlüssel. Zuvor hatten die Narren Klartext mit dem Schultes gesprochen.

Unvergessen blieb dabei der Frust beim Schneeräumen. „Gehweg sauber, grad noch geschafft, kam das Räumfahrzeug und hat den Schnee wieder raufgeschoben“, beschwerten sie sich. Für die fehlende nächtliche Beleuchtung im Dorf wollen sie sich auf dem Rathaus einen Nachtwächter aussuchen, der sie sicher nach Haus bringt. Der Rundumschlag reichte von der Abwassergebühr zur Freibadrutsche, vom Sanierungsgebiet Singen und löchrigen Straßen bis zur leeren Gemeindekasse. Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon begrüßte die Narren als Scheich verkleidet und besänftigte die Narrenschar mit Sekt und Berliner. Die Fasneter wollen nur noch feiern.

Birkenfeld-Gräfenhausen

Bildergalerie: In Gräfenhausen regieren jetzt die Klemmer

Angeführt von Präsident Harald Pfisterer und seiner Lieblichkeit, Prinzessin Nicole II., stürmten die Klemmer mit Fackeln und Trommelklängen der Zés Pereiras aus Pforzheim, das Rathaus in Gräfenhausen. Lautstark forderte die Narrenschar den scheidenden Rathauschef Reiner Herrmann auf: "Schultes rück den Schlüssel raus".

Mit abgeschnittener Krawatte des Hausherrn und dem Rathauschlüssel in der Hand verkündete die Ameisenprizessin unter dem Jubel des Narrenvolkes, "dass jetzt die Klemmer-First-Lady zieht ein und bis Aschermittwoch sie will die Zeit nutzen, um die Gemeindekasse mal zu putzen. Verschaukelt werden all die Sorgen, wir denken jetzt noch nicht an morgen".

Keltern-Weiler

Bildergalerie: Narren erzwingen sich in Weiler ein Fässchen Freibier

Wenngleich die Weilermer Honigschlecker nicht ganz so traditionelle Fastnachter sind, wie zum Beispiel die Klemmer oder die Fledermäuse; eine Rathaus-Stürmung beherrschen sie mindestens genau so gut, wie die „Profis“ in den Umlandgemeinden. Vor drei Jahren mit der Erstürmung des „Regierungssitzes“ in Ellmendingen ins Leben gerufen, war nun schon zum zweiten Mal das Rathaus in Weiler Austragungsort der Erstürmung.

Erwartungsgemäß hielt auch diesmal die Rathaustür nicht dem Ansturm der Hexen und Narren stand. Nach gereimtem Dialog zwischen Rathauschef und der Honigschlecker- Sitzungspräsidentin Sandra Becker, wurde das Gemeindeoberhaupt im gepflegten Anzug und natürlich mit Krawatte dem närrischen Publikum vorgeführt. Freigelassen wurde der arme Kerl erst nach dem die Krawatte gekürzt war und er unter dem Jubel der Honigschlecker, Bääreklopfa, Zottelbockhexen, der kleinen Tanzgarde und der Besucher versprach, ein Fässchen Bier zu spendieren. Vom Obst- und Gartenbauverein sowie von der Pfinztalbande gab’s weitere Verpflegung. Die Gemeinde schenkte Glühwein und Kinderpunsch aus.