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30.12.2015

Historische Neujahrsbräuche in Nußbaum mit Goldbrezel und Hanfgaben

Alte Überlieferungen berichten, wie Neujahr in Nußbaum einst ein ganz besonderer Festtag war. Alte Überlieferungen berichten, wie Neujahr in Nußbaum einst ein ganz besonderer Festtag war. Zu verdanken sind diese Erinnerungen dem späteren Pfarrer Wilhelm Ziegler (1870 bis 1952), der dort seine Kindheit verbrachte, weil sein Vater Heinrich (1827 bis 1917) neun Jahre als Oberlehrer am Ort wirkte.

Mit dem Wegzug der Familie enden vor 130 Jahren die wertvollen Aufzeichnungen aus der alten Dorfschule. Wilhelm Ziegler berichtet, dass der Landbriefträger Daniel Dürer von Bretten die vielen Karten und Gratulationsbriefe zum neuen Jahr kaum die drei Buckel, über die er durch den Brettener Wald lief, heraufschleppen konnte. Deshalb sagte er besonders freundlich: „B´hüt Sie Gott, der Liebe“, wenn er seine Last los war und bei der Frau Lehrer sich gestärkt hatte.

Der Heimbronner Hof, wo damals die Familie Horsch residierte, schickte immer eine Sondergabe. Das war eine riesige Hefe-Brezel. Zarten, brauen Glanz strahlten ihre Glieder aus, über die ein dicker, knuspriger Zopf hinüberlief. Dort, wo die Arme sich kreuzten, steckte ein blankes, nagelneues Fünfmarkstück (Goldmarkwährung des Deutschen Kaiserreiches ab 1871) und wenn man in die Brezel hineinbiss, schmeckte sie wie lauter goldene Butter. Hanf jedoch war die beliebteste Neujahrsgabe. Es war immer ein Pfund dabei, in einen dicken Zopf zusammengeflochten. Aus diesem Neujahrshanf hat dann das „liebe Mütterlein“ das haltbare Leinenzeug gesponnen, das die Familie an Nußbaum und seine nachdrücklichen guten Neujahrswünsche erinnerte. Es ist von Pfarrer Wilhelm Ziegler überliefert, dass die Unterwäsche davon nicht umzubringen war, Tischtücher Menschenalter durchhielten und Betttücher von 1850 im Ersten Weltkrieg noch verwendungsfähig waren.