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Großen Spaß hatten die Zuschauer beim "Historischen Spectaculum" vor dem Neuenbürger Schloss. Hier zeigten nicht nur Jongleure ihre Künste. © Molnar
04.08.2013

"Historisches Spectaculum": Lebendiges Mittelalter begeistert im Neuenbürger Schloss

Neuenbürg. Kaum strömten die vielen Menschen hinter die Schlossmauern hoch über Neuenbürg, schon befanden sie sich in einer anderen Welt. Gaukler, Rittersleute, Stelzengänger und Märchenerzähler besiedelten den malerischen Garten. Unter dem Kessel vor den Zelten loderte das Feuer.

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Es roch nach herzhaftem Hanf-Fladen und Stockbrot. Und von der Bühne drangen Minnesang und mittelalterliche Tanzlieder ans Ohr. Zum zehnten Mal veranstalteten die Spielleute und Landsknechte Neuenbürg ihr „Historisches Spectaculum“, das mit 60 Marktständen, Lagern und künstlerischen Gruppen einmal mehr ein Augen- und Ohrenschmaus darstellte. „Wir möchten ein Fest ermöglichen, bei dem die Besucher ins Mittelalter eintauchen können“, sagte der erste Vorstand Bodo Bernd.

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Höhen und Tiefen gab es viele in den zurückliegenden zehn Jahren. Doch: „Das Spectaculum ist immer besser geworden“, so Anna Goldstein vom Organisationsteam. Händler und Künstler wurden regelmäßig gewechselt, so dass es stets neue Attraktionen gab.

Für lautes Handgeklapper sorgte erstmals Nils der Gaukler alias Christof Glass aus Köln: Der 36-Jährige jonglierte nicht nur mit Bällen und Teufelsstab, sondern auch mit brennenden Fackeln. Ein absolutes Highlight von Anfang an bildete die große Feuershow am Abend, mit der die zweitägige Veranstaltung bekannt geworden ist. Anlässlich des Jubiläums gab es diesmal einige Überraschungen, von denen auch die Veranstalter nichts wussten. „Wir haben mehr Feuer als sonst und ein Comeback mit allen Künstlern, die schon 2003 dabei waren“, erzählte Mikha Nagel von Stafffire, der die Feuershow organisierte.

Mit funkensprühenden Stäben, Feuer auf nackter Haut und artistisch-fantastischen Kunststücken vor pyrotechnischen Effekten beeindruckten über zehn Künstler aus fünf Gruppierungen dann im Dunkel der Nacht. Unter ihnen befand sich auch die 28-jährige Jennifer Ochs aus Straubenhardt – genannt „Mystique“, die mit einem brennenden Hula-Hoop-Reifen tanzte.

Lautstarken „Huld Huld Jubel“ erntete auch Roka (Tobias Buschik) von der Gruppe Feuersbrunft, der den Weltrekord im Feuerspucken knackte. Mit 182 Flammen mit nur einer Mundfüllung überbot er den bisherigen Rekord von 129. Mit Langschwertern, Äxten und Speeren kämpften indes die mutigen Ritter der Freyen Banner Enztal in brütender Hitze. Falknerin Tatjana Schmücker und ihr Lebensgefährte Stefan Kosfeld aus dem Sauerland begeisterten mit ihren acht Greifvögeln, darunter ein sibirischer Uhu mit einer Flügelspannweite von 1,80 Meter.

Während die tschechische Musikgruppe Quercus die Besucher auf historischen Instrumenten unterhielt, jagte der Scharfrichter von Konstanz (Jürgen Schächtle) ihnen mit früheren Strafinstrumenten wie Zungenzange oder Brustreißer einen Schauer über den Rücken. Und wer von den Edel- und Bauersleuten über den Tag ins Schwitzen geriet, nahm am Abend bei Dominik Schanding aus Pforzheim im Zuber ein Bad.