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Schaukampf vor zahlreichen Zuschauern: Beim 14. Historischen Spectaculum in Neuenbürg begeisterten die Rittersleute von Apostata Equitis aus Friolzheim mit ihren Vorführungen der Schwertkampftechnik.   Molnar
Schaukampf vor zahlreichen Zuschauern: Beim 14. Historischen Spectaculum in Neuenbürg begeisterten die Rittersleute von Apostata Equitis aus Friolzheim mit ihren Vorführungen der Schwertkampftechnik. Molnar
Im Handwerkerviertel bei der Ruine zeigte der Kunstsattler Franklin Hennhöfer, wie man Leder bearbeitete, Judith Wolfshohl aus Birkenfeld (links) und ihre Mutter Edina Coerper aus Bauschlott schauten zu.
Im Handwerkerviertel bei der Ruine zeigte der Kunstsattler Franklin Hennhöfer, wie man Leder bearbeitete, Judith Wolfshohl aus Birkenfeld (links) und ihre Mutter Edina Coerper aus Bauschlott schauten zu.
Das Duo „Tinnitus Brachialis“ spielte schottische und irische Musik mit Dudelsack und Davul-Rahmentrommel.
Das Duo „Tinnitus Brachialis“ spielte schottische und irische Musik mit Dudelsack und Davul-Rahmentrommel.
06.08.2017

Historisches Spectaculum in Neuenbürg fasziniert Jung und Alt

Jubel und Handgeklapper gab es jede Menge – beim Historischen Spectaculum im Schlossgarten Neuenbürg. Zum 14. Mal veranstalteten die örtlichen Spielleute und Landsknechte ihr zweitägiges Mittelalterfest, zahlreiche Besucher waren begeistert – besonders, wenn zwischen den 60 Zelten gekämpft, jongliert oder musiziert wurde.

Schon von Weitem waren der Dudelsack und die Davul-Rahmentrommel von Georg Kästle und Heiko Gläser zu hören. Das „Tinnitus Brachialis“-Duo bezauberte mit traditioneller schottischer und irischer Musik. Auf dem Markt unterwegs war auch der Kontaktjongleur „Luftikus“ alias Eberhard Nitsche aus Schwieberdingen, der mit seinen Kugeln buchstäblich alles auf den Kopf stellte, oder der „Schwarze Spielmann“ Barry Tailor, der mit exotischen Instrumenten wie einer Schamanenflöte oder Tank-Trommel mit harfenähnlichem Klang unterhielt.

Von den 54 Teilnehmern aus nah und fern wurde vor allem die familiäre Atmosphäre geschätzt: „In diesem Ambiente kann man wirklich abschalten“, sagte Lara Gutscher von den Tuath Deas aus Ötisheim, Ölbronn und Ettlingen. Die drei Familien mit vier Kindern und zwei Schlafzelten stellten das Leben im Mittelalter dar, tranken aus Hornbechern und Tonkrügen und trugen ihre Holzlöffel bei sich. Mit den Veranstaltern gab es neun solche Lager, darunter auch die Apostata Equitis aus Friolzheim, die beim Schaukampf ein großes Publikum um sich scharten. „Mach ihn fertig“, brüllte einer zu den Rittern mit Helm und Langschwert, die zunächst wie im Film und dann wie die alten Meister von damals kämpften. „In der Realität dauerte es nicht länger als drei Schläge, bis der andere außer Gefecht gesetzt war“, erklärte Urs amme Berge alias Volker Brose.

Selber Hand anlegen durften mutige Kerle beim Turnier der Plattenwald-Barbaren, die mit einer Ausnahme jährlich dabei waren. Aus drei Metern Entfernung warfen acht Besucher mit einer Axt auf einen Baumstamm. Sascha Mahler traf am Samstag am besten, Zweiter wurde Joshua Kast und Dritter Timo Streib. Sie gewannen eine Axt, ein Messer und Edelsteine.

Kinder konnten indes dem „Stabschnitzer“ Christoph Schwikart über die Schulter schauen, in der Salz-Werkstatt aktiv werden oder im Handwerkerviertel bei der Ruine mit Pfeil und Bogen schießen. Neben einem Sattler und Schmied zeigte auch der Scherenschleifer „Peter, der Scharfwetzer“ aus Kornwestheim seine Kunst.

Für Stimmung sorgte nicht nur die abendliche Feuershow, sondern auch der Gaukler Micha Mangiafuoco aus Sardinien, der Feuer „fraß“, es sich ohne zu Fackeln unter den Po hielt und in seiner raubeinigen Art – „Ihr blödes Pack“ – nicht nur die Kleinen erschreckte und erheiterte.

Ruhiger ging es bei Rena Retzack aus dem Landkreis Hildesheim zu, wo zum Beispiel Körbe geflochten werden konnten. „Wir werden auch nächstes Jahr wieder kommen, es ist gemütlich wie in einer Familie“, sagte die wohl am weitesten gereiste Händlerin, die nur Handgemachtes anbot. Zur Stärkung gab es Stockbrot, Wikingerblut oder Met an den Ständen.