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Das Mädchen und ihr Retter: Die 17-jährige Jenifer Wunder und Hündin Ira.
Das Mädchen und ihr Retter: Die 17-jährige Jenifer Wunder und Hündin Ira. © Ketterl
09.01.2009

Hündin Ira wird zum Lebensretter

Freudig begrüßt Hündin Ira alle Besucher, die in der verrußten Dachwohnung in der Calwer Straße eintreffen. „So hat sie das auch erstmal mit den Feuerwehrleuten heute morgen gemacht“, erzählt Wolfgang Graf. Dass das etwa 100 Jahre alte mehrgeschossige Eckhaus in Unterreichenbach noch steht und niemand ernsthaft verletzt wurde, ist dem Instinkt und der Hartnäckigkeit der zweijährigen schwarzen Hündin zu verdanken.

„Sie kam aufs Bett gesprungen, hat mich gestupst und mit den Pfoten bearbeitet“, erzählt Jenifer Wunder, die zum Ferienende bei Wolfgang Graf und seinem 13-jährigen Sohn zu Besuch ist. Zunächst habe sie gar nicht reagiert, wollte nicht im Schlaf gestört werden und habe die junge Hündin weggescheucht. Ira sei immer wieder ganz aufgeregt zurückgekommen und habe total gezittert. „Wir haben zuhause auch einen Hund, und irgendwie hatte ich plötzlich den Eindruck, sie will mir was mitteilen. Dann hab ich ein starkes Knistern gehört“, erinnert sich der Teenager.

Als sie ins Wohnzimmer gekommen sei, habe der Sessel schon gebrannt. „Nicht hoch, aber es waren Flammen zu sehen“, unterstreicht sie. „Sie ist geistesgegenwärtig sofort zu meinem Sohn ins Zimmer, hat den geweckt, die Feuerwehr und dann mich übers Handy informiert“, erzählt Wolfgang Graf, der zum Zeitpunkt des Brandes bereits auf dem Weg zur Arbeit war. Der 44-jährige war dann vor der Unterreichenbacher Feuerwehr wieder in seiner Wohnung und konnte den Sessel mit zwei Eimern Wasser selbst löschen.

Ein Rettungswagen hatte sowohl das Mädchen als auch Wolfgang Grafs Sohn Scott vorsorglich ins Calwer Kreiskrankenhaus gebracht. Die 17-Jährige erlitt eine leichte Rauchvergiftung. „Das ist nicht so schlimm, doch der Schreck sitzt mir ehrlich gesagt immer noch ziemlich in den Knochen“, gesteht sie.

Wolfgang Graf spricht dem Mädchen ein ums andere mal großes Lob aus. Und auch seiner Hündin Ira streichelt er zwischendurch über den schwarzen Kopf. „Die hat sich auch eine Belohnung verdient. Ich hab da noch eine Rinderbeinscheibe im Kühlschrank“, sagt er und erzählt im gleichen Atemzug, dass er sich auch schon des öfteren über den freundlichen, aber quirrligen spanischen Jagdhund geärgert habe.
„Vor einem Jahr habe ich sie aus dem Tierheim in Stuttgart geholt, sie zieht heute noch immer wie irre, wenn sie an der Leine ist.“ Manchmal habe er den Eindruck, dass Ira erziehungsresistent sei. Und trotzdem hat er das Tier sehr gern – seit der Brandmeldung noch viel mehr.

“Man kann da schon von glücklichen Umständen sprechen, dass das Tier sich so bemerkbar gemacht hat. Es gibt zwar einen Feuermelder, aber der ist im Treppenhaus. Der hat später angeschlagen“, beurteilt Unterrreichenbachs Feuerwehrkommandant Jochen Kusterer die Lage. Er war mit 27 Männern aller Unterreichenbacher Feuerwehr-Abteilungen neun Minuten nach der Alarmierung beim Haus der Familie Graf eingetroffen. „Das hätte einen richtigen Großbrand geben können. Da herrschten 500 Grad in dem Zimmer“, beschreibt Kusterer.
Nachdem die Flammen gelöscht waren, untersuchte die Feuerwehr Glutnester im Teppich und räumte den Ofen aus. „Zur Zeit ist noch nicht klar, ob der Brand durch Wärmeabstrahlung oder rausgefallene Glut ausgelöst wurde“, so Kusterer. Den Schaden schätzt er auf 50 000 Euro.