Von klein auf krank: Der Chihuahua-Hündin Milka geht es heute zwar besser, aber immer wieder benötigt sie nach Angabenihrer Halterin Medikamente. Privat
Mühlacker
Illegaler Hundehandel: Frau droht Gefängnis
  • Nadine Schmid

Maulbronn. Illegaler Tierhandel in Mühlacker: Angeklagter Frau droht Gefängnis. Kranke Chihuahua-Hündin aus Tschechien verkauft.

Milka ist eine knapp einjährige Hündin. Geboren wurde die Chihuahua-Dame in Tschechien. Wann und wo, das ist heute wohl nicht mehr so genau festzustellen. Verkauft wurde sie von einer Mühlackerin an die heutige Halterin. In betrügerischer Absicht, wie nach dem umfassenden Geständnis der Angeklagten vor dem Amtsgericht Maulbronn klar geworden ist. Nun droht ihr eine Gefängnisstrafe.

Die 27-Jährige hat in großem Stil Welpen der als kleinsten Rasse der Welt geltenden Hunde von einer Urlaubsbekanntschaft aus Tschechien importiert und in Deutschland verkauft. Im Fall von Milka, die aus einem der Würfe stammt, bot die Angeklagte übers Internet einen gesunden Hund aus Hobby-Zucht an. Eine Mutter und ihre Tochter kauften daraufhin im Februar die kleine, braungefleckte Hündin für 500 Euro. „Wir sind tierlieb. Hätten wir gewusst, dass der Hund krank ist und aus Tschechien stammt, hätten wir ihn nicht gekauft“, so die als Zeugin geladene Mutter, die betonte, illegalen Hundehandel nicht unterstützten zu wollen.

Kaum daheim angekommen, fiel den Frauen im Februar auf, dass der Welpe Blut im Stuhl hatte. Bei einem Anruf habe ihr die Angeklagte gesagt, das käme von der Unruhe durch den Umzug, erläuterte die Zeugin. Ein Besuch beim Tierarzt ergab dann aber, dass der kleine Hund unter anderem von Kolibakterien befallen und stark verkeimt war.

In Sachen illegaler Tierhandel ist die Angeklagte keine Unbekannte. Rückblick: Die PZ berichtete im August 2011 über ein illegales Gewerbe größeren Umfangs in Mühlacker. Auf dieses war das Veterinäramt durch Internet-Anzeigen gestoßen, in denen Chihuahua-Welpen zum Verkauf angeboten wurden – eingeschleust aus Tschechien ohne die tierseuchenrechtlichen Bestimmungen einzuhalten. Nach damaligen Erkenntnissen waren allein in den vorangegangenen sechs Monaten deutlich mehr als 50 Chihuahua-Welpen unerlaubt nach Deutschland gebracht und zum Stückpreis von rund 500 Euro verkauft worden. Drei beschlagnahmte Chihuahuas waren im August im Tierheim untergekommen. Dort wurden sie gegen einen ansteckenden Darmparasiten behandelt. Gegen die Verkäuferin der Hunde wurde damals ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit eingeleitet. Nicht das einzige Bußgeld, das die nunmehr wegen Betruges im Milka-Fall Angeklagte wegen des illegalen Tierhandels bezahlen muss. Aufgrund des wachsenden Schuldendrucks habe sie trotz Verbots weitergehandelt, so die 27-Jährige.

Anfangs sei es mit der tschechischen Züchterin, aus deren Haus sie die Welpen abgeholt habe, immer gut gelaufen. Die Hunde seien augenscheinlich gesund gewesen, sie habe sie zurück in der Heimat beim Tierarzt impfen lassen und wegen Krankheiten keine Probleme gehabt. Später sei bei ihr aber der Eindruck entstanden, dass manche der abgeholten Welpen nicht mehr putzmunter waren – zwei seien sogar gestorben. Heute habe sie keinen Kontakt mehr nach Tschechien und auch ihren eigenen Chihuahua abgegeben. Dass Milka krank war, habe sie nicht gewusst, beteuerte die Angeklagte, die sich entschuldigte und anbot, sich an den Tierarztkosten zu beteiligen.

Staatsanwältin Sigrid Micol forderte für die einschlägig vorbestrafte Angeklagte vier Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Weil ihr mit zwei noch laufenden Bewährungsstrafen zusammen allerdings 14 Monate Gefängnis drohen, schloss Richter Bernd Lindner die Verhandlung gestern ohne Entscheidung, weil die Angeklagte zwar einen Anwalt hat, dieser aber nicht vor Gericht erschienen war. Für kommende Woche wurde ein weiterer Verhandlungstermin angesetzt, bei dem ein Pflichtverteidiger anwesend sein soll.

Die kleine Hündin Milka ist nach wie vor nicht ganz gesund. „Zeitweise haben wir nicht gewusst, ob sie überlebt“, erzählt die junge Halterin. Nach vielen Tierarztbesuchen benötige sie immer wieder Medikamente.