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14.01.2013

Im Fall Harry Wörz wird kein Täter mehr gesucht

Karlsruhe/Pforzheim. Nach dem endgültigen Freispruch für Justizopfer Harry Wörz hat die Staatsanwaltschaft Karlsruhe sämtliche Ermittlungen eingestellt. Für einen anderen Täter gebe es keinen Anfangsverdacht, teilte die Behörde am Montag mit. Dies gelte auch für den ins Visier der Ermittler geratenen Liebhaber des Opfers, einen heute 53 Jahre alten Pforzheimer Polizisten.

Bildergalerie: Fall Harry Wörz: Ermittlungen zum Täter eingestellt

Wörz saß viereinhalb Jahre unschuldig im Gefängnis. Ihm war vorgeworfen worden, Ende April 1997 in Birkenfeld bei Pforzheim seine Frau fast erwürgt zu haben. 2009 sprach ihn das Landgericht Mannheim endgültig frei. Ende 2010 bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH) das Mannheimer Urteil, das seither rechtskräftig ist.

Die Staatsanwaltschaft habe nach dem Freispruch für Wörz mehrere Menschen aus dem Umfeld des Opfers überprüft, sagte ein Sprecher. «Im Ergebnis konnte gegen keine Person ein hinreichender Tatverdacht begründet werden.» Daher gelte für sie die Unschuldsvermutung.

Problematisch bei den Untersuchungen seien die wechselvolle Prozessgeschichte gewesen sowie die Tatsache, dass die Tat fast 16 Jahre zurückliege. Die Frau selbst ist seit der Tat ein Pflegefall und kann sich nicht mehr äußern.

Der Fall Harry Wörz war eines der spektakulärsten Justizdramen in Deutschland. Es dauerte mehr als 13 Jahre. Der gelernte Installateur aus Birkenfeld gilt seit dem Freispruch als unschuldig. Für seine Zeit im Gefängnis erhält er eine finanzielle Entschädigung.

Die Richter das Landgerichts Mannheim hatten in ihrem Beschluss heftige Kritik an den Ermittlungen der Polizei geübt: Der damalige Liebhaber der Frau sei zu spät in Betracht gezogen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin erneut Ermittlungen aufgenommen.

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