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Im Herbst wieder verstärkt Wildunfälle erwartet.
Im Herbst wieder verstärkt Wildunfälle erwartet © dpa
01.10.2010

Im Herbst wieder verstärkt Wildunfälle erwartet

ENZKREIS. Die Tage werden kürzer, der Berufsverkehr fällt immer mehr in die Zeit der Dämmerung und damit steigt wieder die Gefahr von Wildunfällen. „Im Enzkreis sind es jährlich rund 1000“, sagt Kreisjägermeister Dieter Krail. Gut zwei Drittel aller Wildunfälle passieren laut Statistik von Verkehrsexperten in der Dämmerung. Nach Angaben des ADAC kommen bundesweit jährlich rund 220.000 Rehe, 12.000 Wildschweine und über 200.000 Hasen unter die Räder.

Etwa 2500 Verkehrsteilnehmer werden in Deutschland pro Jahr bei Wildunfällen verletzt. Die Polizeidirektion Pforzheim zählte in den vergangenen sieben Jahren 62 Wildunfälle mit Personenschaden: Ein Mensch starb dabei, 18 wurden schwer und 43 leicht verletzt. Unfälle mit Sachschäden wurden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Aber etwa 500 bis 600 Rehe und je 100 Wildschweine, Hasen und Füchse seien es, die jährlich in der region überfahren würden.

Dieter Kreil, Kreisjägermeister im Enzkreis, rät deshalb dazu, die Wildwechsel-Warnschilder ernst zu nehmen: „Wir stellen die nur dort auf, wo schon öfter etwas passiert ist.“

Also: Runter vom Gas an diesen Stellen. Taucht dennoch plötzlich ein Tier auf der Fahrbahn auf, sollte der Fahrer bremsen, das Lenkrad festhalten und die Richtung beibehalten, so die Polizei. Der Zusammenstoß mit einem Reh oder Wildschwein sei in der Regel weniger heftig, als wenn man das Lenkrad verreißt und bei einem Ausweichversuch auf einem Baum landet. Erkenne man das Wild frühzeitig solle man bremsen, hupen und abblenden. Gerade bei Rehen und Wildschweinen sei aber immer noch mit Nachzüglern zu rechnen.

Kommt es dennoch zum Unfall, müsse umgehend die Polizei unter Telefon 110 benachrichtigt werden, so Kreil: „Kennt man den zuständigen Förster oder Jagdpächter, kann man sich auch an den wenden.“ Ansonsten würden die von der Polizei verständigt. Die Unfallstelle solle man nach Möglichkeit nicht verlassen. Sei dies aus irgendeinem Grund unvermeidlich, müsse die Unfallstelle am Straßenrand deutlich markiert werden, beispielsweise mittels eines Astes „oder zur Not auch mit einer Packung Taschentücher“, so Kreil, denn: „Läuft das verletzte Tier in den Wald, müssen wir ihm am nächsten Tag nachgehen und dafür brauchen wir einen Ansatzpunkt, an dem die Hunde die Spur aufnehmen können.“

Bleibt das Tier liegen, solle man es auf keinen Fall berühren, vor allem wegen der Tollwutgefahr. „Und mitnehmen darf man es schon gar nicht“, stellt Kreil klar. Das könne sonst den Tatbestand der Wilderei erfüllen. Aussteigen, um die Unfallstelle zu sichern, sei dagegen kein Problem. „Mir ist kein Fall bekannt, wo Menschen nach einem Unfall von verletzten Tieren angegriffen wurden“, so Kreil. Davon, einen Tierarzt für das verletzte Wild zu rufen, rät Kreil bei allem Mitleid der betroffenen Autofahrer ab: „Die Tiere, die liegen bleiben, sind so schwer verletzt, dass ihnen in der Regel nicht mehr zu helfen ist. Sonst würden sie davonlaufen.“ Sie würden meist vom Jagdpächter – in einzelnen Fällen auch von der Polizei mit einem Fangschuss erlöst. Und Kreil stellt klar: „Wer den Tierarzt holt, muss ihn auch bezahlen.“

Schäden an Fahrzeugen übernehme nach Unfällen mit Haarwild die Kaskoversicherung, erklärt Kreil. Auch deshalb müsse man einen Unfall umgehend melden: „Polizei oder Jagdpächter stellen dann eine Bescheinigung für die Versicherung aus.“ Um Fahranfänger auf das richtige Verhalten bei Wildunfällen vorzubereiten, hat die Polizeidirektion Pforzheim im vergangenen Dezember in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Jägerverband und der Fahrlehrervereinigung ein Faltblatt mit den wichtigsten Tipps herausgegeben. „Die Aktion läuft immer noch. Der Flyer wird weiterhin verteilt“, so Polizeisprecher Frank Otruba. Zudem könnten sich Interessierte das Faltblatt beim Polizeirevier Süd (Schwebelstraße 10) abholen.