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Keinen Wein, dafür das Festbier konnte mit einem Schlag fließen. Der Fassanstich zur „Ersinger Martini Kirwe“ machte sichtlich Spaß: Bürgermeister Udo Kleiner (links) bewies seine mittlerweile erworbene Routine. Foto: Martin Schott
Keinen Wein, dafür das Festbier konnte mit einem Schlag fließen. Der Fassanstich zur „Ersinger Martini Kirwe“ machte sichtlich Spaß: Bürgermeister Udo Kleiner (links) bewies seine mittlerweile erworbene Routine. Foto: Martin Schott
07.11.2016

Im Zeichen des „Musikantenschmeißers“

Die Ersinger Kirwe des Musikvereins Ersingen war am Wochenende der Ort, an dem man sich traf. Grauer Himmel und Kälte sorgten für eine vollbesetzte Turn- und Festhalle. Zwei Tage lang herrschte heitere Stimmung bei viel Musik und Tanz, auch mit klassischen Kirwegerichten. Aber der Musikverein sorgt auch für das Wachhalten der örtlichen Traditionen, wie Conférencier Eddi Vögele bei seiner Begrüßung mit Blick auf das Motto „Musikantenschmeißer“ bemerkte.

Doch was ist ein „Musikantenschmeißer“? Dahinter stecke eine geschichtliche Begebenheit, wie Ersingens Heimatforscher Rudolf Vögele dokumentiert hat. „Musikantenschmeißer“, so Vögele, das war ein Ersinger Wein. Sein Name sei noch auf alten Flaschenetiketten zu finden.

Wein mit legendärer Wirkung

Der Wein hatte anno 1955 demnach eine legendäre Wirkung auf die Musikanten. Genauer gesagt, der Wein bei der Einweihung einer neuen Rebanlage mit Riesling-Silvaner auf dem Ameisenberg am 30. April 1955.

Der warme schöne Frühlingstag machte durstig. Ein junger Musiker fuhr anschließend mit seinem Moped und dem großen Bass auf dem Rücken ins Dorf zurück. Das Gefälle beim Kelterhof schmiss den Heimfahrenden aus der Kurve. Auch andere Musiker sollen auf der steilen Weinbergtreppe vom Ameisenberg herunter ins Straucheln gekommen sein. Der neue Weinname „Musikantenschmeißer“ war geboren. Noch bis in die 1970er-Jahre vertrieb ein Ersinger Winzer damit seinen Wein.

Die Kirwe stand also ganz im Zeichen des Weins. Riesentrauben lachten von der Decke. Wer genau hinschaute, entdeckte sogar einen Musiker, den es in der Hanglage seines Heimweges in das Astwerk eines Baumes „geschmissen“ hat. Die Kirwemusiker des Blasorchesters machten schon zum Auftakt mit flotten Weinliedern, Walzern, Polkas und Märschen tolle Stimmung. Dazwischen gab Bürgermeister Udo Kleiner den Startschuss. Seit seinem ersten Fassanstich im Jahr 2006 hat der Schultes so viel Routine erworben. Nur einen rasanten Schlag benötigte Kleiner.

Am Abend spielte zum Kirwetanz die neue Band-Formation „MC BRASS“ mit Michael und Claudia Vögele, Peter Fränkle, Peter Hofmann, Frank Haile und Dirk Hemminger. Das Jugendorchester, die Flötengruppen und die Kirwemusik des Musikvereins Ersingen sowie die Blaskapelle des Musikvereins Remchingen gestalten sonntags das breitgefächerte Musikprogramm der Ersinger Kirwe.