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Voller Schreibtisch: Ingrid Seilacher, seit 2012 Rektorin der Schömberger Uhland-Schule, geht in Ruhestand. Noch eine Schulleiterstelle, die zu besetzen ist. Foto: Seibel, Archiv
Voller Schreibtisch: Ingrid Seilacher, seit 2012 Rektorin der Schömberger Uhland-Schule, geht in Ruhestand. Noch eine Schulleiterstelle, die zu besetzen ist. Foto: Seibel, Archiv
Führen den regionalen Verband Bildung und Erziehung: Ursula Butscher-Zahn (Mitte), ihre Stellvertreterin Lena Eger und Vorstandsmitglied Peter Krüger. Foto: Steinert
Führen den regionalen Verband Bildung und Erziehung: Ursula Butscher-Zahn (Mitte), ihre Stellvertreterin Lena Eger und Vorstandsmitglied Peter Krüger. Foto: Steinert
21.06.2017

Immer mehr Aufgaben für Rektoren. Sie fordern Verbesserungen vom Land

Bad Liebenzell wird zum Zentrum des Lehrerprotests. In der Mitte des regionalen Schulamts gelegen, wehrten sich in der Bäderstadt vor einem Monat rund 300 Lehrkräfte mit einer Resolution gegen den chronischen Lehrermangel in den Schulen. Jetzt trafen sich dort rund 50 Schulleiter und Konrektoren: Bei der Personalversammlung diskutierten sie über die starken Belastungen beim Unterrichtsmanagement.

„Immer neue Vorgaben der Schulbehörden, neue Bildungspläne, neue Lernformen, Gestaltung der Ganztagsbetreuung und die Inklusion machen uns schwer zu schaffen“, sagt Ursula Butscher-Zahn als Vorsitzende des regionalen Verbands Bildung und Erziehung (VBE) – sie leitet die Grundschule im Neuenbürger Teilort Arnbach.

„Fallen Lehrkräfte aus, gibt es kaum Krankheitsvertreter“, moniert Butscher-Zahn. VBE-Landesvorsitzender Gerhard Brand erzählt ein drastisches Beispiel, wohin die Not führen kann: „Ein Rektor gab jeden Tag einer anderen Klasse komplett frei, da ist natürlich die Schulverwaltung eingeschritten.“ Im kommenden Schuljahr drohten weitere Ausfälle im Pflichtunterricht, vor allem an den Grundschulen, so der VBE.

Die Folge der Misere aus Sicht des Verbandes: „Immer weniger Lehrkräfte wollen unter solchen Bedingungen Schulleiter werden“, so Peter Krüger, im Vorstand des VBE Pforzheim-Calw und Konrektor der Gemeinschaftsschule Illingen/Maulbronn. „Viele offene Stellen können nicht besetzt werden“, berichten Butscher-Zahn und ihre Stellvertreterin Lena Eger. In Pforzheim und Enzkreis liefen zurzeit rund zehn Verfahren. Schömberg zum Beispiel muss die Nachfolge der scheidenden Rektorin Ingrid Seilacher regeln.

So motiviert Schulleitungen seien, eigenverantwortlich eine Bildungseinrichtung zu gestalten, so beschweren sie sich doch über wachsende Aufgaben und steigenden Verwaltungsaufwand, habe eine Umfrage ergeben. Viele weisen auf unzureichende Unterstützung hin, sind unzufrieden, weil sie zu wenig Zeit haben. Von den Kommunen, den Schulträgern, fordern sie eine bessere Ausstattung fürs Sekretariat und mit Hausmeistern.

Ursula Butscher-Zahn kennt das nur zu gut in ihrer Arnbacher Grundschule. Die Stadt Neuenbürg stelle ihr keine Sekretärin zur Verfügung – „und einen Hausmeister habe ich auch nicht.“ Sind handwerkliche Arbeiten nötig, müsse sie dem Rathaus jede einzelne Aufgabe melden und darauf hoffen, dass jemand kommt.

Der Schulleiter als Alleskönner? Rektoren müssen unterrichten. Wöchentlich 18 Stunden ihres 28-Stunden-Deputats ist die Grundschulrektorin in einem Klassenzimmer. Bleiben zehn Stunden für die Leitung. Die reichten nicht aus für die umfangreiche Verwaltung einer Schule, so der Verband. Kein Wunder, dass sich der VBE als Bildungsgewerkschaft dafür stark macht, die Anrechnungsstunden der Schulleitungen sowie die Gehälter zu erhöhen. Das Land solle auch die jungen Lehrer besser bezahlen, sagt VBE-Landeschef Brand. Gerade aus dem Kreis der angehenden Kräfte ließen sich später dann viel besser die künftigen Schulleiter gewinnen. Ein Schritt in die richtige Richtung seien die Fortbildungen des Landes. Auch gut: Schulamtschef Volker Traub biete Coachingkurse für Kandidaten an. Das zahlt sich aus. Die Zahl der Bewerber in der Region habe zuletzt zugenommen.