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Ein schweres Ziffernblatt der Kirchturmuhr wurde in der evangelischen Kirche in Höfen gestohlen. Auf die restlichen Exemplare passt Pfarrer Ulrich Hilzinger gut auf.
Ein schweres Ziffernblatt der Kirchturmuhr wurde in der evangelischen Kirche in Höfen gestohlen. Auf die restlichen Exemplare passt Pfarrer Ulrich Hilzinger gut auf.
21.09.2012

Immer wieder Diebstähle in Kirchen in der Region

Altes Ziffernblatt der evangelischen Kirche in Höfen geklaut. Kirchen-Diebstähle sind in der Region leider kein Einzelfall.

Es gibt Diebe, denen nichts heilig ist. Die machen selbst in Kirchen lange Finger und klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Ein besonders dreister Fall hat sich jetzt in der evangelischen Kirchengemeinde Höfen ereignet: Dort haben Unbekannte ein großes Kirchturm-Ziffernblatt geklaut, das hinter der Kirche abgestellt war. „Das ist wirklich extrem ärgerlich“, meint Pfarrer Ulrich Hilzinger.

Pfarrer steht vor einem Rätsel

l Die vier großen Ziffernblätter aus Stahlblech waren wegen der Kirchturm-Sanierung, die mittlerweile abgeschlossen ist, abgebaut worden. Am Kirchturm prangen nun neue Uhren, die alten Ziffernblätter sollten beim Gemeindefest versteigert werden, um Geld in die Kirchenkasse zu bekommen. Schließlich schlagen die Turm-Arbeiten mit 180000 Euro zu Buche und weitere Arbeiten sind geplant – da ist es nötig, die Rücklagen etwas aufzufüllen. „So ein Ziffernblatt kann bis zu 1000 Euro bringen“, erzählt der Pfarrer. Jetzt können nur noch zwei der 40 Jahre alten Exemplare versteigert werden, eines soll wie geplant in der Kirche bleiben.

Wie die Diebe vorgegangen sind, ist für ihn ein Rätsel. Die großen Ziffernblätter wurden nur eine Nacht hinter der Kirche abgestellt: Am nächsten Morgen fehlte eines. Da die Uhren sehr schwer sind, müssen wohl mindestens zwei Täter am Werk gewesen sein, vermutet Pfarrer Hilzinger. Einen großen Wagen für den Abtransport müssen sie auch dabei gehabt haben. Allerdings: Aufgefallen ist niemandem etwas. „Das ist alles schon etwas komisch“, so der Pfarrer. Die übrigen Uhren wurden sofort in Sicherheit gebracht und werden nun in der Kirche aufbewahrt – sicher ist sicher.

Leider ist dieser Kirchen-Diebstahl kein Einzelfall. Auch andere Kirchengemeinden haben schon schlechte Erfahrungen gemacht. Ohne jedes Gefühl für Pietät gingen zum Beispiel die Täter vor, die es auf die Leichenhalle am Knittlinger Friedhof abgesehen hatten. Genauer gesagt: Auf die Kupferverkleidung des Gebäudes. Um die Weihnachtszeit des vergangenen Jahres machten sie sich daran zu schaffen. „Es war ein Freitagabend“, erzählt sich Kämmerer Manfred Dannecker. Er erinnert sich so genau daran, weil die beiden Metalldiebe auf frischer Tat ertappt wurden. Der Sicherheitsdienst konnte einen Mann schnappen, dem zweiten Täter gelang die Flucht. Allerdings: Den Schaden in Höhe von rund 8000 Euro musste die Gemeinde selbst tragen.

Zerstörungswut in Neuhausen

In Neuhausen hat der katholische Pfarrer Gerold Heß mehr mit der Zerstörungswut zu kämpfen, Diebstähle kämen selten vor. „Es wird höchstens mal der Opferstock geleert und da ist eigentlich nie viel Geld drin“, sagt er. Ungleich höher ist der Schaden, wenn mal wieder in der Wendelinskapelle oder der Sebastianskapelle Täter wie die Vandalen hausen. Da werden Altarbilder zerschmettert, Kerzenleuchter verbogen oder das Tabernakel aufgerissen. „Es ist wirklich schrecklich“, so Pfarrer Heß. Er zeige zwar jeden Vorfall an, aber bisher sei noch nie ein Täter erwischt worden.

Schlechte Erfahrungen hat auch sein katholischer Kollege Bernd Walter aus Niefern vor einigen Jahren gemacht. Bei ihm wurde jedoch nicht in die Kirche eingebrochen: Die Täter hatten es auf das Pfarrhaus abgesehen. „Ich betreute damals eine Woche unser Ferienlager“, erinnert sich der Pfarrer. Als er zurückkam, bemerkte er den Einbruch in seine Wohnung.

Die Täter hatten alles durchwühlt und auch ein paar Kleinigkeiten mitgenommen. Allerdings: Eine hohe Spende, die in einem Kuvert auf dem Schreibtisch lag, hatten sie übersehen. Beim Pfarrer blieb neben der Wut für einige Zeit ein mulmiges Gefühl zurück, wenn er sich in seiner Wohnung aufhielt. „Da geht es uns genauso wie anderen Opfern von Einbrüchen.“

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