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Zur Sicherheit wird Jörg Scheiderbauer im Wechsel von anderen Läufern und Mountainbikern begleitet. 

In Rekordzeit über den Westweg: Jörg Scheiderbauer läuft von Pforzheim nach Basel

Pforzheim/Basel. „Das war eine harte Nuss mit allen Höhen und Tiefen“, sagt Jörg Scheiderbauer – und der Offenburger Athlet ist als ehemaliger Weltklasse-Mountainbiker und Langdistanz-Triathlet einiges gewöhnt. Jetzt hat der 43-Jährige den Westweg gemacht. Aber nicht wie normale Wanderer in zehn bis zwölf Tagen. Sein Ziel waren maximal 48 Stunden – und er hat es geschafft. Das ist Rekordzeit für die rund 285, mit etwa 8000 Höhenmetern gespickten Kilometer von Pforzheim bis zur Grenze bei Basel.

Am Donnerstag vor einer Woche um 5 Uhr hat sich Scheiderbauer am Pforzheimer Kupferhammer auf den Weg gemacht.

„Die ersten 100 Kilometer will ich mit einem Schnitt von zehn km/h etwas schneller angehen, eine längere Pause mit etwas Schlaf peile ich nach 150 bis 170 Kilometern an“, hatte er im PZ-Gespräch angekündigt.

Soweit der Plan – doch in der Realität lief es am Anfang sogar noch besser: „Meine Beine waren extrem gut. Nach viereinhalb Stunden hatte ich 50 Kilometer, nach elf schon 100. Da hatte ich schon eine Stunde auf meinen Plan rausgelaufen“, so Scheiderbauer, der sich zur Sicherheit permanent im Wechsel von anderen Läufern oder Mountainbikern begleiten ließ.

Scheiderbauer ist fit. Zur Vorbereitung hatte der 43-Jährige zwei Marathons absolviert – an einem Tag: „Den ersten eben in 2.52 Stunden und den zweiten drei Stunden später mit 1500 Höhenmetern in 4.10 Stunden, um die totale muskuläre Erschöpfung herbeizuführen.“

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Fertig – im doppelten Sinn: Jörg Scheiderbauer nach 47.15 Stunden im Ziel. Schirmaier (3)/ Rittner (1)

Neuenbürg, Dobel, Kaltenbronn, Forbach, Badener Höhe, Hornisgrinde und Alexanderschanze flogen nur so vorbei. Die Erkenntnis „Das war zu schnell“ kam dann nach 120 Kilometern. „Ich habe einen kleinen Hitzschlag bekommen und musste mich erst mal für 15 Minuten ablegen“, erzählt Scheiderbauer. Dann kämpfte er sich die restlichen zehn Kilometer steil hinab nach Hausach, wo sein Team mit Masseur und Camper wartete. Drei Stunden Pause waren eigentlich eingeplant – es wurden sechs.

„Das war zur Erholung nötig“, sagt Scheiderbauer, „auch wenn das Risiko dadurch deutlich gestiegen ist, weil mir klar war, dass ich dann 24 Stunden nonstop durchlaufen muss, um es zu schaffen.“

Um 4 Uhr morgens war sein nächster Mitläufer da und es ging weiter – gleich mal knapp 600 Höhenmeter wieder steil hinauf zum Farrenkopf. „Locker angelaufen“, wie Scheiderbauer sagt.

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Massagen, um die Muskeln zu lockern: Der Athlet kann unterwegs auf sein Begleitteam bauen.

Der Knackpunkt sei dann nach etwa 32 Stunden bei Kilometer 200 gekommen. Bei Titisee war er da. Die Schwarzwaldriesen Feldberg, Belchen und Blauen lagen noch vor ihm. Ohne Walking-Stöcke ging nichts mehr. „Die Belastung potenziert sich. Da stellt sich ein abartiger Ermüdungseffekt ein. Kein Vergleich zum Triathlon“, sagt Scheiderbauer, der weiß, wie sich ein Ironman anfühlt.

Die steilen Rampen, die steinigen, unebenen Wege und umgestürzte Bäume rauben ihm den Laufrhythmus. „Es hat mich ein paar Mal hingeschmissen“, sagt er - weil durch die Müdigkeit die Konzentration nachlässt.

Mehr darüber lesen Sie am Mittwoch, 3. Juni in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Mehr Bilder und das Live-Tracking zur Aktion auf www.scheiderbauer-sports.de.