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Rund 400 Menschen informierten sich im Schömberger Kurhaus über die Flüchtlingspläne.
Rund 400 Menschen informierten sich im Schömberger Kurhaus über die Flüchtlingspläne.
14.01.2016

Info-Veranstaltung zur Flüchtlingsunterkunft in Schömberg

In Sachen Flüchtlingsunterbringung setzt der Kreis Calw auf Transparenz und umfassende Information. Das wurde bei der Infoveranstaltung in Schömberg deutlich, zu der neben dem Landrat und seinem Stellvertreter vier weitere Ansprechpartner aus dem Landratsamt gekommen waren. Wie berichtet, hat die Behörde das Hotel Mönchs Lamm gekauft, um dort 125 Asylbewerber unterzubringen. Nach Umbau-Arbeiten sollen Ende Februar die ersten Menschen in dem Gebäude nahe der Ortsmitte einziehen.

„Ich weiß um die Befürchtungen – gerade nach den Vorkommnissen in Köln“, so Landrat Helmut Riegger. Er versicherte den Schömbergern, der Kreis werde nichts unter den Teppich kehren. Bisher habe es keine größeren Vorkommnisse gegeben – damit das so bleibt, habe man sich bereits mit der Polizei zusammengesetzt und einen Fünf-Punkte-Plan erstellt.

Unter anderem werde es eine Broschüre mit Verhaltensregeln in englisch und arabisch geben, die an die Asylbewerber verteilt wird. „Darin steht ganz klar, dass man hier die Frauen und den Rechtsstaat achten muss.“ In den Gemeinschaftsunterkünften würden Flüchtlinge als Hausmeister-Helfer eingesetzt, damit mögliche Probleme früh erkannt werden.

Die Unterbringung der Asylbewerber verlange dem Landratsamt einiges ab. Man habe sich entschlossen, weder Zelte aufzustellen noch Turnhallen zu beschlagnahmen. Deshalb sei man ständig auf der Suche nach geeigneten Gebäuden – inzwischen auch in den kleineren Kommunen. Derzeit kämen 300 Asylbewerber pro Monat in den Kreis Calw – hauptsächlich junge Männer. Musste man sich bis Ende 2015 um 1200 Menschen kümmern, rechnet man bis Ende 2016 mit insgesamt 5000 Asylbewerbern. Landrat-Stellvertreter Frank Wiehe sagte: „Wir stehen mit dem Rücken nicht an der Wand – wir sind schon durch.“

Der Anstieg hat weitreichende Folgen: So ist die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich von drei auf 60 gestiegen. Zusätzlich sind 50 Neueinstellungen geplant. Reichte früher ein Budget von einer Million Euro für die Asylbewerber, rechnet der Kreis Calw für dieses Jahr mit Kosten von 40 Millionen: 17 Millionen für Investitionen in Gebäude, der Rest für die laufenden Kosten und das Geld, das die Flüchtlinge erhalten. Das sind rund 325 Euro pro Erwachsenem, informierte Sozialdezernent Norbert Weiser. Eine Familie mit zwei Kindern erhalte rund 1000 Euro. Unterkunft und Ausstattung werden gestellt, für die Verpflegung müsse jeder selbst sorgen. Flüchtlinge können sich ärztlich behandeln lassen, die Leistungen seien jedoch eingeschränkt.

Flüchtlinge im Landratsamt

Landrat Riegger betonte, dass der Kreis einiges für eine möglichst schnelle Integration tue. Da Sprache und Arbeit entscheidend seien, habe man bei der Arbeitsagentur zwei Mitarbeiterinnen abgestellt, die arabisch sprechen. Sie erstellen ein Profil über jeden Asylbewerber, in dem Qualifikation und Bildung festgehalten werden. So könne man schnell für die richtigen Kurse und Angebote sorgen. „Denn Sprache und Arbeit sind entscheidend für die Integration.“ Da er es für wichtig hielt, dass auch die Mitarbeiter im Landratsamt Kontakt zu den Asylbewerbern haben, hat er sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden: Er holte rund 40 Flüchtlinge in die Behörde, wo sie im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung arbeiten. „Da gab es im Vorfeld die gleichen Sorgen wie überall“, so Riegger. Durch den regelmäßigen Kontakt hätten sich die Ängste abgebaut. Gabriele Freimüller vom Arbeitskreis Asyl verwies darauf, dass man auch in Schömberg versuche, Kontakt zwischen Asylbewerbern und Firmen herzustellen.