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Ossner (links), Happel (rechts) und die frischgebackene Krankenpflegerin Safra Kheder, die im Bild lieber anonym bleiben will, im Gespräch mit PZ-Redakteur Alexander Heilemann. Foto: Seibel
Ossner (links), Happel (rechts) und die frischgebackene Krankenpflegerin Safra Kheder, die im Bild lieber anonym bleiben will, im Gespräch mit PZ-Redakteur Alexander Heilemann. Foto: Seibel
29.05.2016

Initiative VerA: Senioren helfen jungen Leuten, ihre Ausbildung zu retten

Eine hohe schwarze Wand: So hat Safra Kheder die Hindernisse wahrgenommen, die sich zwischen ihr und ihrem Traum von der Arbeit als Krankenpflegerin auftürmten. Es waren vor allem sprachliche Hindernisse für die 21-jährige Irakerin. Vor sieben Jahren war sie mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen. Sie ging auf die Alfons-Kern- und auf die Johanna-Wittum-Schule. Und sie hatte ein klares Ziel: „Den Wunsch, im Krankenhaus zu arbeiten, hatte ich schon als Kind“, sagt sie. Ein Praktikum am Siloah Klinikum in Pforzheim bestärkte sie darin.

Sie begann eine Ausbildung und kämpfte bald mit Fachbegriffen und scheinbar unüberschaubaren Aufgabenbergen. „Meine Eltern, meine Familie konnte ich auch nicht um Hilfe fragen“, sagt sie. Safra Kheder erinnerte sich an einen Tipp der Agentur für Arbeit: Sie bewarb sich bei VerA, einem Programm, bei dem Seniorenexperten Auszubildende begleiten, die mit Schwierigkeiten kämpfen. Das Ziel von VerA ist es, die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu senken. Und Safra Kheder ist ein Beispiel dafür, wie das funktionieren kann. Ein starkes halbes Jahr nach dem Einsatz ihres Begleiters Wilfried Happel aus Birkenfeld, bis 2014 zwei Jahrzehnte lang Leiter einer Altenpflegeschule, schaffte die junge Irakerin ihren Berufsabschluss. Heute arbeitet sie als Pflegerin in der Abteilung für Innere Medizin bei den Enzkreis-Kliniken in Neuenbürg.

Die Auszubildende und den Seniorexperten zusammengebracht hat Hans Ossner. Der Mann aus Monakam und gelernte Industriekaufmann war beruflich zuletzt in Personalverantwortung für Aus- und Weiterbildung bei einem Maschinenbauunternehmen. Bei der IHK war er Prüfer im kaufmännischen Bereich. Und das Interesse am Berufsnachwuchs verließ den auch ehrenamtlich beim SV Neuhausen aktiven Mann nicht, nur weil er in Ruhestand ging. Er setzt sich als Regionalkoordinator der Initiative VerA ein – auch um Erfolgstandems zu finden wie Wilfried Happel und Safra Kheder.

Die Seniorenbegleiter und ihre jungen Schützlinge müssten zueinander passen, sagt Ossner. Das Betreuungsverhältnis sei viel persönlicher als bei Lehrer und Schüler. Eine echte Vertrauensfrage. Immer wieder passiere es, dass Auszubildende sich nach einem ersten Treffen nicht mehr melden. Und auch danach seien es nicht alle jungen Leute, die das Angebot VerAs so konsequent nutzten wie die junge Irakerin. „Ich musste Safra nie motivieren“, sagt Wilfried Happel, „sie hatte selbst den Willen, die Ausbildung zu schaffen.“ Der 65-jährige Birkenfelder hat noch als Schulleiter VerA kennengelernt, wenn eigene Schüler an Seniorenbegleiter vermittelt wurden. Nach der Pensionierung wollte er sich und seine Lehr-Erfahrung selbst einbringen. Neben dem VerA-Engagement hilft er auch Kindern ohne Deutschkenntnisse, den Weg ins Schulleben zu finden.

Und die Sprache war auch bei seiner Hilfe für Safra Kheder das Hauptthema. Die junge Frau spricht die Sprache zwar gut, aber bei den medizinischen Unterrichtsstoffen wurde es eng für sie. „Ansonsten hat sie mir erzählt, was in der Schule so ansteht, ich bin ihre Arbeiten mit ihr auf Grammatik und Verständlichkeit hin durchgegangen und ich habe ihr Tipps gegeben, wie man Prüfungsstoff fürs Lernen in kleine Portionen aufteilt“, sagt der Birkenfelder.

Damit hat er in die schwarze Mauer der jungen Frau Breschen geschlagen. „Wenn ich Angst gehabt habe, den vielen Stoff zu schaffen, hat er mir immer gesagt: ‚Doch, das schaffst Du‘“, sagt sie, „er hat mich wie ein Opa unterstützt.“ Nebenbei schildert sie, wie es funktionieren kann, dass Vertrauen stark wird: „Ich habe immer versucht, das zu machen, was er mir geraten hat – und es hat funktioniert“, sagt Safra Kheder.