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In der Region sollen Integrationsmanager Flüchtlingen eine umfassende Beratung anbieten. In Bayern gibt es ein ähnliches Programm. Hier erarbeitet zum Beispiel Christoph Nunner in den Räumen der Hilfsorganisation Johanniter in Kempten mit zwei jungen Flüchtlingen aus Afrika Bewerbungsschreiben. Foto: dpa
In der Region sollen Integrationsmanager Flüchtlingen eine umfassende Beratung anbieten. In Bayern gibt es ein ähnliches Programm. Hier erarbeitet zum Beispiel Christoph Nunner in den Räumen der Hilfsorganisation Johanniter in Kempten mit zwei jungen Flüchtlingen aus Afrika Bewerbungsschreiben. Foto: dpa
24.07.2017

Integrationsmanager sollen jetzt Flüchtlingen zur Seite stehen

Enzkreis/Pforzheim. Aus der Sicht des baden-württembergischen Sozialministeriums ist es ein bundesweit einzigartiges Betreuungsprogramm für Flüchtlinge. Das Land hat am Montag den Startschuss für Integrationsmanager gegeben. Jetzt können Landkreise und Kommunen Fördergeld beantragen, teilte Minister Manne Lucha (Grüne) mit. Der Enzkreis kann nach Berechnungen der PZ insgesamt 18 Sozialmanager für dieses und nächstes Jahr einstellen.

In den Landkreis fließen dieses Jahr mit der ersten Rate insgesamt rund 675.000 Euro. Pforzheim bezieht zunächst 570.000 Euro.

Für 24 der 28 Kommunen übernehme das Landratsamt federführend die Aufgabe, für solche Fachleute zu sorgen, so die Sozialdezernentin Katja Kreeb. Die Verwaltung suche Anbieter, die für das kreisweite Asylprojekt verantwortlich zeichnen sollen. Deshalb werde nun ein Verfahren begonnen, um das Interesse bei dafür geeigneten Organisationen auszuloten. Im September könnten dann die ersten Sozialbetreuer eingestellt werden, erwartet die Dezernentin. Vier Gemeinden gehen eigene Wege, sagt Kreeb: „Straubenhardt, Remchingen, Neuenbürg und Ispringen wollen selber Integrationsmanager suchen.“

Die Pforzheimer Sozialbürgermeisterin Monika Müller rechnet mit 14 Stellen, die sie für die Eingliederung der Asylsuchenden in der Stadt besetzen kann. Erste Anzeigen der Rathausverwaltung für die Sozialfachkräfte seien bereits erschienen, sagt Müller.

Direkte Einzelfallberatung

„Die Geflüchteten sind inzwischen in den Kommunen angekommen, deshalb ist es wichtig, dass sie ordentlich integriert werden“, sagt Minister Lucha. Bei dem Projekt sollen landesweit 1000 Integrationsmanager den Flüchtlingen bei allen Fragen rund um die Eingliederung zur Seite stehen. Dafür stelle das Land 2017 und 2018 rund 116 Millionen Euro bereit. Das Programm sieht eine „auf den Einzelfall bezogene Begleitung vor“, so das Sozialministerium. Konkret: Daten, Sprachkenntnisse und Fähigkeiten für einen Job werden erfasst, ein individueller Plan soll in die Berufswelt führen.

Die Freigabe der Mittel erfolgt in zwei Stufen. Jetzt werden 60 Prozent des Fördervolumens 2017 bereitgestellt. Im Herbst werde festgelegt, wie hoch die Zuschüsse an die Kommunen sind. Gesucht werden Personen mit Hochschulabschluss im Sozialbereich – sie erhalten 64.000 Euro pro Jahr. Bewerben können sich auch Personen mit mittlerem Abschluss. Sie müssen für die Integration qualifiziert sein – und sie werden mit jährlich 51.000 Euro bezahlt.

Vor vier Monaten haben Kreisräte gefordert, die Arbeit der neuen Integrationsmanager müsse in den Kommunen eng mit den bereits aufgebauten Angeboten verzahnt werden. Die Städte und Gemeinden verfügen über viele ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer und haben zudem Beauftragte für die Zusammenarbeit der Bürgergruppen mit den Rathäusern und Behörden geschaffen. „Wir wollen doch keine parallelen Strukturen“, sagten Kreisräte damals in den Kreistagsgremien. Das sah auch Monika Müller so, zumal offen sei, wie es nach der zweijährigen Landesförderung weitergehe: „Müssen dann die Kommunen einspringen?“ Die Bürgermeister sehen noch ein weiteres Problem. Die Gemeinden müssen zurzeit immer mehr Wohnraum für Flüchtlinge besorgen. Für Schutzsuchende, die in Notunterkünften ankamen, nun aber mit einer Bleibeperspektive in die Anschlussunterbringung wechseln, sind die Kommunen zuständig.