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14.05.2014

Jäger aus der Region protestieren in Stuttgart gegen Landesjagdgesetz

Stuttgart. Jägerklänge am Landtag: Rund 100 Waidmänner aus der Region Stuttgart, darunter auch Jäger aus dem Enzkreis, haben am Mittwoch direkt vor dem Parlament gegen das neue Landesjagdgesetz protestiert. Immer wieder begrüßten sie die Parlamentarier mit Signalen aus ihren Jagdhörnern - auch Infostände mit ausgestopften Wildtieren hatten sie aufgestellt.

Bis Donnerstag steht die grün-rote Gesetzesreform öffentlich zur Debatte. «Wir lehnen das Gesetz auch aus Ehrengründen ab», sagte Stuttgarts Kreisjägermeister Georg Urban. Die Jäger wollten eigenverantwortlich handeln und nicht den Naturschutzbehörden unterstellt sein. Auch lehnten sie die geplante zweimonatige Jagdruhe im Frühjahr strikt ab.

Als Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Minister für den Ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), nach draußen kamen, entwickelten sich teils kontroverse Debatten. Die Jäger erinnerten etwa an die Probleme mit Wildschweinen im Land und dass sich mit dem neuen Gesetz die Plage verschärfen könnte. «Sie können uns doch nicht Probleme in die Schuhe schieben, die gar nicht von uns kommen können, weil es das neue Jagdgesetz noch nicht gibt», entgegnete der Regierungschef. «Ja, aber das Problem wird noch schlimmer», meinten die Jäger mit Blick auf die Jagdruhe. «Das Wichtigste ist, dass Naturschutzrecht nicht über das Jagdgesetz gestellt wird.»

Die Jäger hatten einen hölzernen Hochsitz aufgebaut, von dem aus auch Bonde die Jäger zu beruhigen versuchte. Er beteuerte: «Wir fügen nirgends Naturschutzrecht ein, wo es nicht schon geltendes europäisches Recht oder Bundesrecht ist.» SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sprang Bonde zur Seite: In der Öffentlichkeit sei der Eindruck entstanden, dass auf der einen Seite der Naturschutz und auf der anderen Seite die Jäger stünden, sagte Schmiedel. «Das muss man zusammenführen. Die Jägerschaft gehört zum Naturschutz.»

Der Landeschef des Naturschutzbundes Nabu, Andre Baumann, nannte die landesweiten Aktionstage der Jäger eine «Charmeoffensive», die aber nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass der Landesjagdverband unversöhnlich bleibe. Die «hässliche Seite der Jagd» bliebe außen vor: «Jäger schießen Jahr für Jahr über hunderttausend Elstern, Krähen und Füchse und entsorgen diese in Mülltonnen - ohne Nutzung der getöteten Tiere, ohne dass dadurch die Bestände von Feldlerche, Feldhase und Co. erheblich verbessert werden.» In den vergangenen Monaten mühsam gefundene Kompromisse für das Jagdgesetz würden immer noch infrage gestellt. Der Nabu bleibe gesprächsbereit. «Manche Konflikte können in Verhandlungen gelöst werden», sagte Baumann.