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IRE (links) und IC im Pforzheimer Hauptbahnhof: Beide Zuggattungen sind von den Verspätungen betroffen. Foto: Ketterl, Archiv

Jeder fünfte Regionalzug ist verspätet: FDP übt Druck aus

Pforzheim/Enzkreis. Auf der Strecke von Karlsruhe über Pforzheim und Mühlacker nach Stuttgart ärgern sich Bahnkunden am laufenden Band über Zugverspätungen. Der Regionalverkehr auf der Residenzbahn-Linie leide unter beträchtlichen Störungen, so Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Im vergangenen Jahr habe fast jeder fünfte Regionalzug von Station zu Station Verspätungen eingefahren und die vertraglich fixierte Zeitfrist von höchstens sechs Minuten überschritten, teilte Hermann den Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Rülke und Erik Schweickert mit. Die beiden FDP-Politiker hatten beim Land eine parlamentarische Anfrage zur Entwicklung des Schienenverkehrs eingereicht.

Aus Sicht der Bahnstatistiker ist ein Zug noch termingerecht, wenn er bis zu fünf Minuten und 59 Sekunden länger braucht als im Fahrplan ausgewiesen. Die gleichen Missstände wie bei den regionalen Linien zeigen sich auch im Fernverkehr. Der Intercity kam von 2017 bis 2019 im Durchschnitt 4,1 Minuten später an, in Mühlacker erreichte der Fernzug mit 5,9 Minuten über der Zeit den höchsten Mittelwert. Doch woran liegt es, dass die Züge so oft nicht zur rechten Zeit kommen? Minister Hermann macht der Deutschen Bahn (DB) heftige Vorwürfe: „Es zeigt sich, welche Konsequenzen eine jahrelange Vernachlässigung der bundeseigenen Schieneninfrastruktur und des Materials nach sich zieht.“ Die Bahn müsse ihr Netz verbessern, damit der Betriebsablauf reibungslos verläuft, schrieb der Landesminister der DB ins Stammbuch.

Das Verkehrsministerium führt in der Antwort an Rülke und Schweickert weitere Ursachen auf, warum es bei den Zügen so oft klemmt. Die fünf wichtigsten Gründe: Störungen an Triebzügen, Fehler bei Umläufen, Mängel an Leit- und Sicherungstechnik, schlechte Zugvorbereitung und Schäden im Zug- und Wagenmaterial. Dass Bahnen bei Streiks, schlechtem Wetter oder erkranktem Personal nicht mehr fahren, komme hinzu. 2018 sorgten zudem mehrere Baustellen in der Region, zum Beispiel der neue Ispringer Tunnel und die neue Bahnbrücke über die A 8 bei Niefern, für längere Fahrzeiten – damals mussten Fahrgäste in Ersatzbusse umsteigen.

Doch im regionalen Schienenverkehr machten, über die Jahre betrachtet, vor allem Fahrzeugschäden „einen Großteil der Ausfälle aus“, so Hermann. Etwa jeder zweite Zugverlust beruhte darauf. Besonders anfällig seien 2017 neue Elektrolokomotiven des Herstellers Bombardier gewesen.

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