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20.03.2008

Jugendgewalt bereitet Sorgen

KREIS CALW. Im vergangenen Jahr sind vor allem die Jugendkriminalität sowie Urheberrechtsverstöße im Kreis Calw mehr in den Blickpunkt geraten. Dennoch gehört der Landkreis zu den sichersten in Baden-Württemberg.

Und das, obwohl es laut Kriminalitätsstatistik im vergangenen Jahr 424 Straftaten mehr gegeben hat, als im Jahr zuvor. Das entspricht einer Steigerungsrate von 8,6 Prozent, die vor allem auf eine gestiegene Jugendkriminalität zurückzuführen ist. Diebstähle, Betrugs- und Sexualdelikte waren rückläufig, Körperverletzungen, Rauschgiftdelikte, Sachbeschädigungen und Beleidigungen haben zugenommen.
Vor diesem Hintergrund ist die Polizei im Kreis Calw besonders stolz auf ihre hohe Aufklärungsquote, die bei 66,3 Prozent liegt. „Viel mehr kann fast gar nicht geleistet werden“, lobte Landrat Hans-Werner Köblitz, der angesichts der vorgelegten Zahlen Wert darauf legte, dennoch in einer der sichersten Landkreise Deutschlands zu leben.

Drogenkontrollen verstärkt

So ist im vergangenen Jahr laut Joachim Kurz, Leiter der Polizeidirektion Calw, unter anderem gegen die Rauschgiftkriminalität im Kreis mit mehr Kontrollen etwas unternommen worden. Vor allem Verstöße mit Canabisprodukten seien zahlreich und die Täter nicht selten unter 21 Jahren gewesen.

Und damit war Kurz auch schon bei dem Thema, das Polizei und Landratsamt gemeinsam im Jahr 2007 stark beschäftigt hat: Die Jugendkriminalität. „Einer unserer künftigen Schwerpunkte“, so der Polizeichef. Im vergangenen Jahr gab es 874 junge Tatverdächtige. Im Vergleich zu 2006 ist das eine Steigerung um 21 Prozent. Laut Kurz sind vor allem Delikte wie Diebstahl, Sachbeschädigung und Körperverletzung begangenen worden. Alleine an Schulen gab es 25 Straftaten, im wesentlichen Körperverletzungen.

Kriminelle Kinder und Jugendliche fielen insbesondere durch Ladendiebstähle und Sachbeschädigungen auf, so Kurz. Aber auch zahlreiche Rohheitsdelikte sind in der Statistik zu finden. Sie spielen sich im schulischen Bereich ab. So sind im vergangenen Jahr 25 Straftaten an Schulen zur Anzeige gebracht worden. Davon waren alleine 15 Körperverletzungsdelikte. „Schulauseinandersetzungen werden gewalttätiger“, stellte Landrat Köblitz fest. Er machte dafür unter anderem den starken Medienkonsum der Jugend verantwortlich. Insbesondere in Sachen „Gewaltvideos“ müsse etwas passieren. Er forderte Maßnahmen von Altersbegrenzungen bis hin zu Verboten. „Das werden wir allerdings nicht auf Kreisebene lösen können“, räumte er ein.

„Dicht ist Pflicht“

Bei dem Thema Jugendkriminalität seinen aber nicht nur die Verwaltungen gefragt, fügte Kurz an. Eltern, Schulen und Ausbildungsbetriebe müssten wachsamer und eingriffsbereiter werden.
Auch was den Alkoholmissbrauch Jugendlicher anbelange. Der beliebte Spruch „Dicht ist Pflicht“ dürfe nicht länger durchgehen. Zwar seinen sogenannte Flatrateparties in der Landkreis-Gastronomie kein Problem. Dafür umso mehr in Zusammenhang mit Veranstaltungen. „Und genau hier müssen wir tätig werden“, kündigte Köblitz an. Veranstalter müssten unbedingt den Jugendschutz beachten. Täten sie das nicht, würde ihnen die Genehmigung für Folge-Veranstaltungen versagt.

Um das neunfache haben im vergangenen Jahr außerdem die Urheberrechtsverletzungen – insbesondere im Bereich des Internets – zugenommen. Das missbräuchliche Herunterladen und Kopieren von Musik- und Bilddateien schnellte von 18 auf 170 Fälle hoch. Auch hierbei treten Kurz zufolge vermutlich häufig Jugendliche in Aktion. Aber das könne nur schwer überprüft werden, da Anschlussinhaber – meist die Eltern – zur Verantwortung gezogen würden. Erschwerend für die Ermittler: Der jüngste Beschluss des Bundesverfassungsgerichts. Danach dürfen Internetdaten bis auf weiteres nur zur Verfolgung besonders schwerer Straftaten genutzt werden.