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Lust auf ihren Dialekt machen die drei Wilferdinger Sebastian Walch (von links), Simon Dennig und Robin Leonhardt, die ein interaktives „Wilferdingerisch“-Wörterbuch für Mobiltelefon und PC entwickelt haben. Foto: Zachmann
Lust auf ihren Dialekt machen die drei Wilferdinger Sebastian Walch (von links), Simon Dennig und Robin Leonhardt, die ein interaktives „Wilferdingerisch“-Wörterbuch für Mobiltelefon und PC entwickelt haben. Foto: Zachmann
06.11.2015

Jugendliche entwickeln App: „Wilferdingerisch“ sorgt für Spiel, Spaß und Spannung

„Was bitte isch denn ä Grombier mit Bibbeleskäs un Bixewurschtd? Und wofür braucht ma heutzudag noch e Kinnerschees?“ Simon Dennig, Sebastian Walch und Robin Leonhardt können sich noch ganz genau an jenen Abend vor zwei Jahren im Jugendkreis erinnern, als sich die drei Wilferdinger in ihrem Dialekt über Gott und die Welt unterhielten und einer ihrer Freunde, neu in den Ort gezogen, bei so manchem Wort erst einmal nachhaken musste.

„Es gibt genug Leute, die zuziehen oder manche Wörter vom Dialekt nicht verstehen“, verdeutlicht Robin. „Also kam uns die Idee, ein interaktives Wörterbuch für typische Wilferdinger Vokabeln mit ihrer hochdeutschen Übersetzung zu erstellen“, sagt Simon. „Zuerst war es eine Spinnerei“, erzählt Sebastian, „Doch dann sind wir aus der Nummer nicht mehr rausgekommen.“

Nun ist sie da: die „Wilferdingerisch“-App. Ein digitales Wörterbuch, das sich jeder Besitzer eines Android-Smartphones mit Internetverbindung kostenlos aufs Mobiltelefon laden kann und das darüber hinaus auch per Internet über den Computer abrufbar ist.

Doch das Programm ist viel mehr als ein Nachschlagwerk: Es bietet für fast alle Begriffe nebst ausführlicher Erklärung eine authentische Hörprobe, präsentiert die beliebtesten Vokabeln und lädt ein, im „Wilferdingerisch“-Spiel beim Frühstück, im Bus oder in der Bahn, in der Mittagspause oder vorm Schlafengehen, seine erworbenen Kenntnisse zu testen und anschließend in der Bestenliste mit Freunden zu vergleichen.

Die Entwickler, der 22-jährige Simon, der als Fachinformatiker das nötige Fachwissen für den Onlinebereich besitzt, der 21-jährige Sebastian, der vor seinem Studium der Fassadentechnik im Informatikunterricht in der Schule bereits an einer App gebastelt und sich mittlerweile die komplizierte Programmier-Sprache angeeignet hat, und der 20-jährige Robin, der als Bankkaufmann nicht auf den Mund gefallen ist und daher im Nu sämtliche Vokabeln eingesprochen hatte, sind begeistert über die Resonanz nach wenigen Wochen: Fast 200 Handybesitzer haben die App bisher heruntergeladen, viele haben die Webversion im Internet angeklickt. Einige Benutzer haben mit ihren eigenen Vorschlägen das Wörterbuch auf nunmehr rund 500 Wörter erweitert.

Vom Ehrgeiz gepackt, haben die Freunde und einige weitere Helfer wie Tanja Dennig oder Alexander Kröner unzählige Stunden ihrer Freizeit verbracht. Da galt es, komplexe Systeme zu programmieren, Schreibweisen wie „Stoai“ oder „Schdoi“ zu diskutieren und natürlich jede Menge zu schwätzen: „Dabei fallen einem die meisten neuen Beispiele ein“, sagt Robin, „Dass unser Sproch, mit dere mir groß worre sinn, ned verlore geht un in Erinnerung bleibt.“ Zwar stehe der Name „Wilferdingerisch“ für den Ursprungsort der App – und immerhin würden einige Begriffe schon im heimischen Ober- und Unterdorf anders ausgesprochen, wie die jungen Sprachforscher erklären – aber hinsichtlich des Benutzerkreises betonen sie: „Die App ist für alle da, für Reigschmeckte genauso gut wie für Eigschmeckte.

Infos unter: www.wilferdingerisch.de.