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Das Anti-Graffiti-Mobil bei der Arbeit in Tiefenbronn (von rechts): Bürgermeister Frank Spottek, Maler und Bauhofmitarbeiter mit den Jugendlichen, die verschmierte Wände überstreichen. Foto: Tilo Keller
Das Anti-Graffiti-Mobil bei der Arbeit in Tiefenbronn (von rechts): Bürgermeister Frank Spottek, Maler und Bauhofmitarbeiter mit den Jugendlichen, die verschmierte Wände überstreichen. Foto: Tilo Keller
24.09.2017

Jugendliche werden von der Justiz für Anti-Graffiti- Mobil vorgeladen

In Tiefenbronn sind einige Schmierereien verschwunden und auch das öffentliche Grün hat an manchen Stellen eine außerordentliche Behandlung erfahren. Mehrere Jugendliche haben mit dem Anti-Graffiti-Mobil in der Gemeinde Station gemacht – mit einem Projekt, das im Enzkreis und in Pforzheim Furore gemacht hat (die PZ hat berichtet).

Die jungen Leute haben bei diesem Modell gemeinnützige Arbeitsstunden abgeleistet, die ihnen von der Justiz auferlegt worden waren. Anleitung und Unterstützung kam nicht nur vom örtlichen Bauhof, sondern auch von Raumausstatter Jörg Schlumberger und Maler Engelbert Heinrich, die jeweils einen Fachbetrieb in der Gemeinde haben.

„Vorgeladen waren 14 Jugendliche“, sagte Polizeihauptkommissar Volker Weingardt. Neun davon sind am Morgen beim Treffpunkt am Haus des Jugendrechts in Pforzheim angetreten. „Die anderen haben heute schon von den Kollegen Hausbesuche erhalten“, merkte Weingardt an. „Einer wird noch mit dem Bus nachkommen.“ Die restlichen vier fehlten zunächst unentschuldigt. „Das wird Konsequenzen haben“, erklärte er weiter. Da half es auch nichts, dass zwei der Jugendlichen lange nach Beginn des Arbeitseinsatzes bei ihm anriefen und sich krank meldeten. Doch Weingardt stellte klar: „Legen sie kein Attest vor, wird bei der Staatsanwaltschaft Meldung gemacht.“

Dabei ging es den Jugendlichen nicht schlecht bei ihrem Arbeitseinsatz, auch wenn sie beim Schwingen von Malerrolle, Besen oder anderem Werkzeug den ein oder anderen Schweißtropfen ertragen mussten. „Es macht zwar keinen Spaß, aber es quält uns auch nicht“, sagte einer der Jugendlichen, der am Ballplatz neben der Gemmingenhalle der verschmierten Mauer einen neutralen Farbanstrich verpasste. „Die Bestrafung, die wir bekommen haben, ist okay.“ Wegen eines Drogenverstoßes und illegalen Waffenbesitzes muss er noch einige Sozialstunden ableisten.

„Wir haben geschliffen, Schriften weggemacht und zweimal gestrichen, das war echt anstrengend“, erklärten unisono drei weitere Jugendliche aus dem Team. Sie haben jeweils acht Stunden gemeinnützige Arbeit wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis abzuleisten. „Es wird auch nie wieder dazu kommen, dass wir wiederkommen“, ist sich einer der drei sicher. „Gut gemacht“, lobte Bürgermeister Frank Spottek die ersten Ergebnisse des Arbeitseinsatzes. „Lasst es Euch auch eine Lehre sein“, mahnte er freundlich. „Na, wenn ich weiter so machen würde, dann hätte ich ja nur noch Sozialstunden abzuleisten“, antwortete ein Jugendlicher darauf. „Sie stellen sich nicht ungeschickt an“, so Jörg Schlumberger. „Wenn sie so weitermachen, könnte man den ein oder anderen einstellen.“

Lob für die jungen Leute

Auch die Bauhofmitarbeiter Robin Bossok und Jürgen Beck zeigten sich zufrieden – zum Beispiel mit der sauberen Rasenkante am Parkplatz. „Der Einsatz ist nicht schlimm, nur die Finger tun weh“, sagte ein Jugendlicher, der als Industriemechaniker in Ausbildung sonst keine Hacke in der Hand hat. Dass der Arbeitseinsatz der jungen Leute auch von den Bürgern positiv registriert wurde, zeigte sich, als ein älterer Herr den Jugendlichen mal eben zehn Euro in die Hand drückte.