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Mit Sakko, weißem Hemd und Strick um den Hals: Pointiert und facettenreich präsentierte Kabarettist Hans Gerzlich im Mühlacker Uhlandbau Anekdoten aus dem Büroalltag.  Foto: Bischoff-Krappel 

Kabarettist Hans Gerzlich begeistert im Mühlacker Uhlandbau

Mühlacker. Hans Gerzlich kennt sie alle: Den aufgeblasenen Vorgesetzten, der seinen gestressten Mitarbeiter zum Zeitmanagement-Seminar schickt, anstatt dessen Arbeitskontingent zu reduzieren. Den kreativen Kantinenchef, an dem ein Marketingtalent verloren gegangen ist und der für die Belegschaft „Chop Suey holsteinische Art“ anbietet. Oder den Kollegen aus der Buchhaltung, dessen antiquierter Kleidungsstil – „braune Cordhose, grünes Hemd und ausgebeultes Sakko“ – von Gerzlich mit der Beschreibung „Bodenhaltung, Käfighaltung, Buchhaltung“ trefflich auf den Punkt gebracht wird.

Preisgekrönter Kabarettist

Auf Einladung der Volkshochschule (VHS) Mühlacker war der preisgekrönte Comedian, unter anderem Münsterländer- und Schwäbischer Kabarettpreis, in den Uhlandbau gekommen. Diana Schmitt von der VHS freute sich über die rund 110 Besucher, die sich bei dem unterhaltsamen Kabarett-Abend unter dem Titel „Und wie war dein Tag, Schatz?“ von den intelligenten und amüsanten Büro-Anekdoten Gerzlichs begeistern ließen.

Jeden Tag der gleiche Ärger bei der Arbeit: In pointierten, teils zynischen Sequenzen beschrieb der Kabarettist die täglichen Scharmützel, Konkurrenzkämpfe und Phrasen, die wir alle aus unserem Büroalltag kennen. „Da setze ich Dich ins CC“ meint etwa, nach Gerzlichs Interpretation, keineswegs das kollegiale Teilen von Informationen, sondern vielmehr: „Da hängst Du mit drin.“ Und reichte früher zum zwanglosen Austausch unter Kollegen der Besuch im „Weinhaus Klümper“, muss es heute zum Team-Building die exklusive Weinprobe in der „Vinothek Ars Vivendi“ sein.

Klar, dass an diesem Abend auch die coronabedingte Arbeit im Homeoffice vom studierten Wirtschaftswissenschaftler Gerzlich aufs Korn genommen wurde: „Früher dachte man, Homeoffice sei das Synonym für Langschläfer, Faulenzer, Vollsuff und Netflix schauen“, so der Comedian. „Heute wissen wir: Das stimmt.“

Gab es im ersten Teil des Programms, bedingt durch die zu-rückliegende, zweimonatige Bühnenpause, noch kleinere textliche Hänger, so sorgte der Kabarettist im zweiten Teil des Abends vor allem mit seiner furiosen Präsentation des „Agathe-Bauer-Songs“, angelehnt an den Hit „I’ve Got The Power“ von Snap, für Begeisterung beim Publikum.

Fazit des unterhaltsamen Kabarettabends: Ertragen wir den Büro-Horror mit einem Augenzwinkern und geben ihm nicht zu viel Raum in unserem Leben. Denn, wie der Comedian zum Abschluss seiner Vorstellung sagte, „auf dem Sterbebett werden Sie keinen finden, der sagt: Ich hätte mehr Zeit im Büro verbringen sollen.“