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Nach ausgiebiger Diskussion wird die Gemeinde Keltern das Betreuungsmodell des Enzkreis-Forstamts nutzen. Symbolbild dpa

Kampfabstimmung um den Wald: Kein eigener Förster in Keltern

Keltern. Nach ausgiebiger Diskussion wird die Gemeinde Keltern das Betreuungsmodell des Enzkreis-Forstamts nutzen. Kritiker hatten eine Eigenbeförsterung favorisiert.

Eine Mehrheit im Kelterner Gemeinderat hat sich im Zug der baden-württembergischen Forstneuorganisation für eine umfassende Betreuung des Kommunalwaldes zum 1. Januar 2020 durch das Enzkreis-Forstamt ausgesprochen. Die Zustimmung gilt zunächst für den Zeitraum von fünf Jahren. Zuvor hatten Bürgermeister Steffen Bochinger und Kämmerer Frank Kern allerdings das genannte Betreuungsmodell mit dem Enzkreis präferiert. Es handele sich aus Sicht der Gemeinde im Wesentlichen um die Möglichkeit, eine bewährte Kooperation fortzusetzen. Allerdings wird diese Fortsetzung künftig teurer werden, weil subventionierende Bestandteile wegfallen. Susanne Nittel (SPD) sprach von einem „sehr schwierigen Thema“. „Überspitzt gesagt“ werde der Wald doch eigentlich „outgesourct“. Das solle man „sich gut überlegen“. Nittel ergänzte, dass sie den Forst in erster Linie „nicht als Wirtschaftsbetrieb“ interpretiert wissen wolle.

Walter Appenzeller (Grüne) warnte: „Wir werden uns verschlechtern.“ Schon heute liefen aus seiner Sicht viele Dinge im Forst falsch. Eine Eigenbeförsterung werde finanziell dann möglich, wenn man beispielsweise eine Kooperation mit Straubenhardt und Neuenbürg anvisiere. Es habe ihn auch in der Vergangenheit oft gestört, wenn „mit einem Heiligenschein aus Loden“ Selbstgewissheiten von den Vertretern des Kreisforstamts im Gemeinderat vorgetragen worden seien. Es seit Zeit für eine deutliche Ökologisierung im Gemeindewald. Appenzeller mit lauter und scharfer Stimme: „Es ist ein Skandal, dass bis heute kein Bannwald auf Kelterner Markung eingerichtet worden ist.

Den kritischen Stimmen aus den Fraktionen von SPD und Grünen folgten überdies deutliche Stellungnahmen für das Betreuungsmodell mit dem Enzkreis aus den Reihen von CDU und Freien Wählern. Michael Sengle (CDU) stimmte dem Verwaltungsvorschlag „voll zu“ und sprach von einer „vertrauensvollen und hervorragenden Zusammenarbeit“ mit dem Enzkreis. Das „Rund-um-sorglos-Paket“ bei der Forstbetreuung habe sich bewährt. Michael Trägner (FWG) konnte die kritischen Töne ebenfalls nicht nachvollziehen. Das bestehende Modell habe Vorteile für Keltern. Was ihn „granatenmäßig“ ärgere sei, dass man mehr bezahlen müsse. Das aber sei politisch so gewollt. Die Landesregierung lasse die Kommunen hängen. Nach intensiver Diskussion fiel die Abstimmung klar aus. Elf Ratsmitglieder votierten für das Betreuungsmodell, fünf dagegen bei einer Enthaltung.