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Bislang hat die Baufirma an der Turnstraße in Grunbach erst knapp die Hälfte der Arbeiten erledigt. Nun hofft die Gemeinde, dass nicht noch mehr Sondermüll und damit zustätzliche Kosten auftauchen.
Bislang hat die Baufirma an der Turnstraße in Grunbach erst knapp die Hälfte der Arbeiten erledigt. Nun hofft die Gemeinde, dass nicht noch mehr Sondermüll und damit zustätzliche Kosten auftauchen.
24.07.2016

Kanal- und Straßenbau kostet Engelsbrand rund 100.000 Euro mehr

.Engelsbrand. Wenig Freude hat den Mitgliedern des Engelsbrander Gemeinderats bei der jüngsten Sitzung die Information bereitet, dass auf die Kommune erhebliche Mehrkosten bei der Kanalsanierung in der Turnstraße in Grunbach zukommen.

Nachdem der Gemeinderat erst in seiner vorletzten Sitzung beschlossen hatte, die beiden ursprünglich auf zwei Jahre verteilten Bauabschnitte direkt nacheinander ausführen zu lassen, um so rund 50 000 Euro einzusparen, die für eine erneute Baustelleneinrichtung angefallen wären, so kommt auf die Kommune nun eine deutliche Kostensteigerung zu. Nicht aber, weil sich in den Ausführungen veränderte Bedingungen ergeben haben. Vielmehr stieß die ausführende Baufirma bei den Arbeiten auf Verunreinigungen im Erdreich.

Viel Chlorid, Antimon und Fluor

Bei mehreren Beprobungen von Baustellenaushub wurde festgestellt, dass es im Untergrund der Turnstraße erhöhte Chlorid-, Antimon- und Fluoridwerte gibt. Auch wurde teilweise eine hohe Belastung mit sogenannten Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) festgestellt. PAK sind natürlicher Bestandteil von Kohle und Erdöl und kommen unter anderem in Teer vor. Woher die Verunreinigungen stammen, dazu vermochte Matthias Laube, vom gleichnamigen Engelsbrander Ingenieurbüro nichts sagen. Sicher ist nur: Der in Teilen sehr stark verunreinigte Aushub muss teilweise auf Deponien als Sondermüll entsorgt werden. Allein die im ersten Bauabschnitt dadurch anfallenden Mehrkosten belaufen sich laut Laube auf rund 103 000 Euro. Glücklicherweise habe ein Teil des verunreinigten Erdreichs laut Laube wieder im Untergrund zur Abdeckung der Kanäle wieder eingebaut werden können, sonst wären die Kosten für die Kommune noch deutlich höher ausgefallen. „Wir haben bislang aber erst auf etwa 40 Prozent der gesamten Strecke den Kanal verlegt“, verdeutlichte Laube die Dramatik der Situation und die Gefahr, dass Engelsbrand mit weiteren Kostensteigerungen rechnen muss, wenn das Bauunternehmen auch im weiteren Verlauf auf verunreinigtes Erdreich stößt. Mehrkosten kommen zudem auf die Kommune zu, da der Kanal, der gemeinhin in 2,60 Meter Tiefe verläuft, teilweise mehr als vier Meter unter der Straßendecke verläuft.

Weitere Überraschungen?

Die ursprüngliche Kostenberechnung für die Maßnahme hatte bei 1,1 Millionen Euro gelegen. Jetzt liegt man laut Laube knapp vier Prozent über der Kostenberechnung. Bürgermeister Bastian Rosenau machte dabei aber deutlich, dass man bei der Vergabe der Arbeiten „nahezu eine Punktlandung“ geschafft habe – die Vergabesumme lag letztlich nur um 10 000 Euro über der Berechnung. Er hätte sich natürlich gewünscht, dass Engelsbrand bei einer Baumaßnahme einmal Glück gehabt hätte und von unschönen Entwicklungen verschont geblieben wäre. Nun müsse man aber wohl einmal mehr in den sauren Apfel beißen. Und Rosenau hat die Hoffnung, dass auf dem weiteren Teilstück die bösen Überraschungen ausbleiben.

CDU-Gemeinderat Frank Böckler sieht es bei allem Bedauern über die zusätzlichen Kosten ähnlich: „Es ist wirklich ärgerlich, aber wir können nichts dagegen tun.“ Was ihn aber wunderte: Dass, wie von Matthias Laube dargestellt, ein Wiedereinbau von verunreinigtem Material, das sonst teuer deponiert werden müsste, erlaubt ist.