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Große Freude: Der drittgrößte Verlag in Vietnam gibt im kommenden Jahr Isabelle Müllers Buch „Loan“ heraus. Foto: Prokoph
Große Freude: Der drittgrößte Verlag in Vietnam gibt im kommenden Jahr Isabelle Müllers Buch „Loan“ heraus. Foto: Prokoph
Große Dankbarkeit erfährt die Loan-Stiftung für ihre Hilfe. War der Kindergarten von Ban Trangin der nordvietnamesichen Provinz Ha Gian einst eine baufällige Lehmhütte, sind dort nun alle stolz auf die neue Einrichtung. Foto: Privat
Große Dankbarkeit erfährt die Loan-Stiftung für ihre Hilfe. War der Kindergarten von Ban Trangin der nordvietnamesichen Provinz Ha Gian einst eine baufällige Lehmhütte, sind dort nun alle stolz auf die neue Einrichtung. Foto: Privat
26.12.2017

Kapfenhardter Autorin veröffentlich die Biografie ihrer Mutter in Vietnam

Unterreichenbach-Kapfenhardt. Das Buch „Loan aus dem Leben eines Phönix“ der Kapfenhardter Schriftstellerin Isabelle Müller erscheint im kommenden Jahr in Vietnam. Damit geht für die 53-Jährige ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Denn am 1. Dezember hat Isabelle Müller bei einem Treffen in Saigon dafür grünes Licht von dem Verleger, Nguyen Minh Nhut, des drittgrößten Verlages in Vietnam, TRE Publishing House, bekommen. Auf Empfehlung der ehemaligen Vize-Staatspräsidentin der Sozialistischen Republik Vietnam, Truong My Hoa, war der Kontakt zustande gekommen.

Vor Zwangsheirat geflohen

„Mama, wenn ich groß bin, schreibe ich ein Buch über Dich,“ das hat die Kapfenhardter Schriftstellerin Isabelle Müller schon als Kind ihrer Mutter Mè Loan in dem kleinen französischen Dorf in der Nähe von Tours versprochen, wo die Familie lebte. 2015 hat sie das Versprechen eingelöst. In ihrer in Deutsch verfassten Biografie, „Loan – aus dem Leben eines Phönix“ berichtet Isabelle Müller über die tief berührende Lebensgeschichte ihrer Mutter, die als knapp Zwölfjährige von zuhause geflohen war, weil sie als Lohn für zwei Schweine und einen Acker zwangsverheiratet werden sollte (PZ berichtete).

Loans Lebensgeschichte ist aber nicht nur voller Dramatik, sie beschreibt auch den historischen Hintergrund der kulturellen und politischen Umwälzungen durch die Kolonisation der Franzosen, den Überfall der Japaner Ende des Zweiten Weltkriegs, die Teilung Vietnams in den 1950er-Jahren und den Krieg Frankreichs gegen Algerien in den 1960er-Jahren. Somit spiegelt Loans Geschichte zugleich auch authentisch die Geschichte Vietnams.

Aufmerksam auf Isabelle Müller wurde man in Vietnam durch deren Loan-Stiftung, die sie 2016 ins Leben gerufen hat. Über die vietnamesische Botschaft in Berlin mussten die Stiftung und ihre Hilfsaktionen vor Ort auf den Weg gebracht werden. „Ich gebe alle Spenden eins zu eins weiter und bezahle die Kosten aus eigener Tasche“, sagt die Stifterin. Über ihr großes Engagement vor Ort erfuhr in der Folge auch die ehemalige Vize Staatspräsidentin der Sozialistischen Republik Vietnam, Truong My Hoa, von Isabelle Müller und ihrem Buch.

„Lächeln ins Gesicht zaubern“

„Wir durften beide keine Kinder sein“, sagt Isabelle Müller über die Gemeinsamkeiten zwischen ihr und Mè Loan. In ihrer eigenen Biografie „Phönix Tochter“ schildert sie auch den Missbrauch durch ihren Vater. Und was berührt sie bei ihren Hilfsaktionen? „Das große Glück ist zu sehen, wie die Mittel bei den Kindern ankommen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und den Erwachsenen Hoffnung gibt“, sagt sie.

Schon zu Lebzeiten hat sie mit ihrer Mutter in Kapfenhardt darüber gesprochen, die Kinder in Vietnam zu unterstützen, weil Mè Loan dort in ihrer Jugend nie eine Schule besuchen durfte. „Auf einfache Wege schickt man nur die Schwachen“, zitiert Isabelle Müller den Calwer Dichter Hermann Hesse. Das ist ihr Leitspruch.