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Willkommen beim Enzkreis: Die 44-jährige Katja Kreeb ist seit 1. Oktober Sozialdezernentin im Landratsamt. Foto: Seibel
Willkommen beim Enzkreis: Die 44-jährige Katja Kreeb ist seit 1. Oktober Sozialdezernentin im Landratsamt. Foto: Seibel
06.10.2015

Katja Kreeb startet als Sozialdezernentin unter Vorzeichen der Asyl-Sorgen

Es sind nicht die vielen Mitarbeiter, für die Katja Kreeb als neue Sozialdezernentin im Landratsamt Verantwortung trägt, die ihren Start in der Kreisverwaltung aufreibend machen. Schon zuvor als Geschäftsführerin des Vereins „miteinanderleben“ stand sie an der Spitze eines großen Teams. Und es ist auch nicht der Aufgabenbereich selbst.

Der Verein war als sozialer Träger in all ihren künftigen Verantwortungsbereichen tätig – gerade auch in den Bemühungen, Flüchtlinge in Einrichtungen des Enzkreises zu betreuen und Helfer zu koordinieren. Doch seit dem 1. Oktober ist Katja Kreeb nicht mehr nur für die Betreuungspraxis, sondern auch für deren Rahmenbedingungen zuständig.

Da springt sie derzeit in ziemlich kaltes Wasser. Denn der Alltag, beschreibt die neue Dezernentin, sehe oft genug so aus. Der Enzkreis erfahre teilweise erst 24 Stunden vor der Ankunft, dass und wie viele weitere Flüchtlinge auf dem Weg seien. „Wir wissen auch nicht mehr wie früher, wer da kommt, ob es Familien mit kleinen Kindern sind oder junge Männer und aus welchen Ländern sie geflüchtet sind“; sagt Katja Kreeb: „Wir kriegen einfach Busse voller Menschen angekündigt.“Lösungen müssen entsprechend mit heißer Nadel gestrickt werden, Heimleiter und Hausmeister vor Ort müssten oft genug improvisieren – je nachdem, wer aus den Bussen aussteigt.

Eine Pessimistin ist Katja Kreeb dabei nicht. „Wir werden mit der Verwaltung wieder in tragfähige Strukturen hineinkommen“, sagt sie. Allerdings: Um alles gut zu organisieren, wäre es wichtig, wenn der Flüchtlingsstrom nicht mehr ganz so gewaltig wäre.

Die derzeitige Situation führt dazu, dass die Kreisverwaltung von allen Seiten unter Druck steht. Sie muss oft eilig Unterkünfte finden. Anwohner wollen wissen, wer da kommt, für wie lange und unter welchen Bedingungen. Freiwillige Helfer interessiert das genauso. Auch die Lebensumstände der Flüchtlinge ist ein Thema. Das steht natürlich für die Neuankömmlinge selbst im Vordergrund, die außerdem wiederum möglichst bald Klarheit über ihre Zukunft haben wollen. Das Problem des Kreises: Er muss die Unterbringung der Flüchtlinge umsetzen, hat aber alles drumherum nicht selbst in der Hand. Katja Kreeb hofft auf Verständnis der Bürger in einer echten Notsituation.

In Zahlen sieht die so aus: Jede Woche kommen fast 100 Flüchtlinge im Enzkreis an – bis Jahresende also deutlich über 1000, für die es auch geplante Unterkünfte mit eingerechnet nur rund 500 Plätze gibt. „Ohne Zelte werden keine Lösung finden“, meint Kreeb. Erster Landesbeamter Wolfgang Herz, der bislang nach dem nötigen Wohnraum sucht – fast rund um die Uhr, wie Kreeb sagt –, wird das bis Jahresende weiter tun. „Was die Kreise derzeit leisten, ist eigentlich ein Krisenmanagement“, so Katja Kreeb. Mehr lesen Sie am Mittwoch in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.