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Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa
17.05.2018

Kinder und sich selbst Gift gegeben: Haftstrafe für Mutter aus Marxzell

Marxzell. Weil sie ihre beiden Töchter und sich selbst vergiftete, hat das Landgericht Karlsruhe eine Mutter zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. «Das fällt uns nicht leicht, aber wir müssen uns an das Gesetz halten. Was Sie gemacht haben, war ein versuchter Mord», sagte der Vorsitzende Richter, der die 27-Jährige am Donnerstag wegen dieser Straftat sowie gefährlicher Körperverletzung verurteilte.

Im Juni vergangenen Jahres hatte die Frau aus Marxzell sich und ihre Kinder im Alter von zwei und vier Jahren mit einer Limonade vergiftet, in der sie verschiedene Schmerzmittel aufgelöst hatte - offenbar aus Verzweiflung über ihre Lebenssituation ohne Job, Mann und sicheren Wohnsitz. Alle drei wurden rechtzeitig gerettet, da der getrennt lebende Ehemann aus Sorge die Polizei verständigt hatte.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht nahe an der Forderung der Staatsanwaltschaft, die dreieinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Der minimale Strafrahmen beträgt bei versuchtem Mord drei Jahre. Der Verteidiger der Angeklagten hatte für eine Freiheitsstrafe plädiert, die auf Bewährung ausgesetzt werden kann - also maximal zwei Jahre.

Die Richter sahen jedoch eine klare Tötungsabsicht gegeben, da die Frau geäußert hatte, ihr Leben und das ihrer Kinder beenden zu wollen. Außerdem habe die Mutter das Vertrauen und die Wehrlosigkeit ihrer Töchter ausgenutzt. Ein Gutachter konnte für den Zeitpunkt der Tat keine psychische Störung bei der 27-Jährigen feststellen, sie gilt deshalb als voll schuldfähig. Gegen das Urteil kann die Frau innerhalb einer Woche Revision einlegen.

«Nach dem Gutachten des Toxikologen habe ich keinen Zweifel daran, dass die Mischung geeignet gewesen wäre, die beiden Kinder ins Jenseits zu befördern», sagte der Staatsanwaltschaft. Entscheidend sei jedoch, ob die Frau ihre Kinder aus Vorsatz töten wollte oder ihren möglichen Tod nur billigend in Kauf nahm. Der Verteidiger der Angeklagten bezeichnete die Tat als «Kurzschlussreaktion» und «großen Hilfeschrei».

«Die Trennung, die Überforderung mit den Kindern, die gekündigte Wohnung, kein Job - ich hatte überhaupt keine Hilfe», sagte die Mutter über ihre damalige Situation. Das Wochenende, an dem sich die Tat ereignete, hatte die Frau gemeinsam mit ihren Kinder und dem getrennt lebenden Ehemann verbringen wollen - eine Art Neuanfang, nachdem sich das Paar nach einer Affäre des Mannes getrennt hatte. Dass dieser die Verabredung kurzfristig absagte, brachte wohl das Fass zum Überlaufen.

«Mit diesem Schmerz will ich nicht mehr leben. Und so ein Leben will ich auch nicht für meine Kinder», hatte die Angeklagte ihrem Mann per WhatsApp geschrieben, während sie den lebensgefährlichen Medikamenten-Cocktail mischte. Die Aussagen ihres Ehemannes sowie zweier Polizisten, die an der Rettung der Vergifteten beteiligt waren, deckten sich weitgehend mit der Schilderung der Angeklagten.

Nach dem Aufenthalt in einer Psychiatrie lebt die Frau aus Marxzell mittlerweile wieder in einer Mietwohnung und arbeitet als Altenpflegerin. Die Kinder wohnen bei ihren jeweiligen Vätern und haben telefonisch beziehungsweise per E-Mail Kontakt zu ihrer Mutter. Diese hat beantragt, ihre Kinder bald auch wieder persönlich treffen zu dürfen.