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Simone Specht (rechts), städtische Leiterin des integrativen Mühlacker Kindergartens Villa Emrich, freut sich zusammen mit Mutter Nicole und deren Sohn Aaron (5), dass bald wieder mehr Betrieb im Kinderhaus herrschen soll.  Foto: Hepfer 

Kita-Regelungen vorerst noch ungewiss – Eltern in Pforzheim und in der Region besorgt

Pforzheim/Enzkreis. Für maximal 50 Prozent der Kinder dürften die Pforzheimer Kitas seit gestern eigentlich wieder öffnen. Doch noch ist für die Eltern etwas Geduld gefragt. „Die neue Corona-Verordnung ist leider erst am Wochenende vom Land-Baden Württemberg veröffentlicht worden. Wir sind jetzt dabei unser Konzept auf dieser Grundlage anzupassen und mit den freien Trägern ins Gespräch zu gehen“, heißt es von der städtischen Pressestelle. Für den heutigen Dienstag sind weitere Informationen angekündigt.

Harsche Kritik kommt derweil vom Gesamtelternbeirat der Pforzheimer Kindertageseinrichtungen (GEPK). „Der 18. Mai wurde bei den Eltern als Rettungsanker verstanden, dabei wurde man nur an der Nase herumgeführt“, sagt Vorsitzende Jasmin Schäfer. Die Eltern seien voller Hoffnung gewesen, wenigstens an einigen Tagen Entlastung zu bekommen. Doch die eigentliche Arbeit sei nicht gemacht, die Kriterien zur Öffnung der Kitas seien nicht klar definiert worden. Vielen Müttern sei es nach wie vor nicht möglich, ihren Beruf auszuüben. Oder sie müssten dies unter Bedingungen tun, die kaum aushaltbar seien. „Es reicht jetzt, die Eltern sind am Anschlag, die Urlaubstage mit Lohnfortzahlung aufgebraucht“, sagt Schäfer.

Angesichts der unklaren Lage, fragten sich alle, wie es weitergehen solle und vor allem, wie lange es noch so gehe? „Die Eltern brauchen Planungssicherheit, und die Arbeitgeber verlässliche Arbeitnehmer“, erklärt die GEPK-Vorsitzende.

Besonders die Mütter hätten den Einruck, als habe es die 15 Jahre Fortschritt am Arbeitsmarkt in Richtung Erwerbstätigkeit bei Frauen nie gegeben. Der GEPK fordert daher, Kinder als systemrelevant anzusehen, besonders weil sie es seien, die die steigenden Staatsschulen der aktuellen Misere tragen müssten. Zum anderen wollen die Eltern auch Mitspracherecht, sowohl bei Entscheidungen des Landes, als auch auf kommunaler Ebene. „Vor allem endlich Klarheit“, so Schäfer.

Und wie sieht es im Enzkreis aus?

Es rumort in den Rathäusern des Enzkreises. Denn bei der Umsetzung der Corona-Verordnungen und deren Lockerung liegt die baden-württembergische Landesregierung mit den Kreis-Kommunen wegen der Öffnung von Kindertagesstätten unter Auflagen im Clinch. Die kurzfristige Ankündigung von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vor wenigen Tagen, Kitas schon ab dem gestrigen Montag landesweit wieder teilweise zu öffnen, stellt so manchen Rathauschef vor schier unlösbare Probleme.

Auf Landesseite wird argumentiert wird, dass die Vorgaben zur Umsetzung der Hygienevorschriften schon seit Ende April feststünden und die Familienminister-Konferenz gemeinsam mit dem Kita Bund Deutschland bereits vor Wochen die Rahmenbedingungen für den eingeschränkten Regelbetrieb in Kitas festgelegt habe. Die Kommunen wünschen sich dagegen mit Unterstützung des Gemeindetags Baden-Württemberg eine Art Leitfaden des Landes, um die Zugangs- beziehungsweise Auswahlkriterien für die Kinder zu konkretisieren.

„Ding der Unmöglichkeit“

Frank Schneider, Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Mühlacker, hatte die Umsetzung der Landesvorgaben bis zum gestrigen Montag, 18. Mai, sogar als „Ding der Unmöglichkeit“ bezeichnet und angekündigt, dass eine Öffnung der Mühlacker Einrichtungen nicht vor dem 25. Mai möglich sei (PZ berichtete).

Man brauche einfach mehr Vorbereitungszeit, um den Schutzvorgaben mit Hygiene- und Abstandsregeln in den Kitas gerecht zu werden, sagt Johanna Bächle, die Leiterin des Mühlacker Amts für Bildung und Kultur. Darüber hinaus gelte es, den Personalbedarf zu ermitteln, der erforderlich sei, wenn nur maximal 50 Prozent der Kinder, die normalerweise die Einrichtung besuchen, jeweils gleichzeitig vor Ort betreut werden dürften. „Die fehlende Vorbereitungszeit macht uns enorm zu schaffen“, sagt Bächle. „Am Samstag sind die Landesverordnungen herausgekommen. Ich habe sie erst am Montag lesen können und muss sie schnellstmöglich umsetzen.“ Will heißen, das Gespräch mit den jeweiligen Erzieherinnen der städtischen Einrichtungen hat die Amtsleiterin, für die gestern auch eine Besprechung mit Bürgermeister Winfried Abicht auf dem Programm stand, noch am späten Nachmittag suchen müssen, um die Planungen auf den Weg zu bringen. Außerdem gibt Bächle zu bedenken, dass Kinder, die bereits in der erweiterten Notbetreuung stünden, weil ihre Eltern in Berufen der „kritischen Infrastruktur“ arbeiten, und Kinder, bei denen besonderer Förderbedarf besteht, weiterhin mit Vorrang behandelt werden müssten.

Rückmeldungen von Bürgern

Das sei der Grund, warum es sich Kultusministerin Eisenmann zu einfach mache, wenn sie die Kommunen auf die Hygienebestimmungen verweise, die seit Ende April vorlägen und von rechnerisch unkomplizierten Lösungen ausgehe, sagt Neulingens Bürgermeister Michael Schmidt. Dank einer Videokonferenz mit rund 80 Eltern am Freitag habe er bis gestern Mittag Rückmeldungen der Bürger erhalten, die seiner Kommune einen Start im 50-Prozent-Betrieb am heutigen Dienstag ermöglichen. Auch Straubenhardt sei schon soweit.

Wie kompliziert die Sache sei, zeige das Neulinger Beispiel aber auch. Im Teilort Göbrichen seien die 22 Anmeldungen eine Größenordnung, die es in der dortigen Kita trotz einer parallelen Notgruppe erlaube, dass alle der jetzt gemeldeten Kinder von Montag bis Freitag kommen könnten. Im Ortsteil Nußbaum dagegen müsse man die dort angemeldeten 18 Kleinen aufteilen. Manche könnten nur in der ersten, die anderen nur in der zweiten Wochenhälfte kommen. Gerechter könne man es derzeit nicht lösen.

Alexander Heilemann

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Peter Hepfer

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Bärbel Schierling

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Olaf Lorch-Gerstenmaier

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