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Knackis kicken gegen VfB-Jugend © Seibel
07.09.2010

Knackis kicken gegen VfB-Jugend

HEIMSHEIM/PFORZHEIM. Es ist ein ganz besonderer Vormittag im Alltag der Insassen der Justizvollzugsanstalt Heimsheim: Zu Gast waren die jungen Kicker des VfB Stuttgart, eine Auswahl der A-Jugend und der U-19. Gemeinsam kamen sie mit den Knastmannschaften der JVA Pforzheim und Heimsheim in der Turnhalle ins Schwitzen. Bildergalerie: Fussballturnier JVA - VfBIn Dreierteams kämpften beide Seiten um den Sieg. Dabei kam es laut Klaus Talmon, dem Sportleiter der JVA Heimsheim, vor allem auf das Fairplay an: „Hier geht es nicht darum, auf Teufel komm raus zu gewinnen.“ Das sahen auch die Insassen so, die gegen die jungen Spieler aus Stuttgart kicken durften. Im Vorfeld war ein wenig ausgesiebt worden: Wer sich nicht gut benommen hat, musste auf der Bank sitzen bleiben. Sascha, 37 Jahre, und Abdulghan, 32 Jahre, kickten aber für die Heimsheimer Mannschaft mit und zollten den fast halb so alten Fußballern aus Stuttgart ihren Respekt: „Die haben es echt drauf. Aber die haben eben auch die Möglichkeit, jeden Tag mehrere Stunden zu trainieren.“ Das ist im Knast freilich nicht möglich: Eine Stunde in der Woche trifft sich die Fußballmannschaft: Krafttraining, Kondition und ein wenig kicken stehen dann auf dem Plan.  

Auch die Pforzheimer Kicker aus der JVA stellten sich den Semi-Profis des Vfb mit viel Motivation und Freude. Am Ende hatten jedoch die Stuttgarter den längeren Atem, was beide Seiten mit dem erhöhten Trainingsaufwand begründeten. „Die Jungs aus der JVA spielen richtig gut“, waren sich die VfBler sicher. Sie besuchen regelmäßig Gefängnisse, sprechen mit den Insassen und tauschen sich gegenseitig aus. So auch gestern in Heimsheim: „Mich interessiert, was die so den ganzen Tag machen. Welche Schulbildung sie haben und wie viel sie verdienen“, meinte der 19 Jahre alte Michele aus der Pforzheimer JVA-Mannschaft. Der Besuch der Stuttgarter Kicker endete mit einem gemeinsamen Mittagessen und einer Führung durch die Anstalten Heimsheim und Pforzheim. Eine Fortsetzung schließen beide Seiten nicht aus.