nach oben
Am Platz der Synagoge erinnerten die Königsbacher Schüler an deren Zerstörung. Seit 1998 ist im Boden eine Gedenkplatte an der Stelle eingelassen, wo 1938 die heiligen Schriften verbrannt wurden. Foto: Roller
Am Platz der Synagoge erinnerten die Königsbacher Schüler an deren Zerstörung. Seit 1998 ist im Boden eine Gedenkplatte an der Stelle eingelassen, wo 1938 die heiligen Schriften verbrannt wurden. Foto: Roller
09.11.2018

Königsbacher Gymnasiasten berichten ihren Mitschülern von der Zerstörung der Synagoge

Königsbach-Stein. Sie ließen in Berichten Zeitzeugen zu Wort kommen, gaben eine kurze Einführung in das Thema und führten einen auf Fakten beruhenden Dialog: Schüler des Königsbacher Lise-Meitner-Gymnasiums erinnerten an den 10. November 1938. An diesem Herbsttag vor 80 Jahren kamen SA- und SS-Männer nach Königsbach mit dem Auftrag, jüdische Wohnungen und die Synagoge zu zerstören. Mit ihrem Vorhaben trafen sie in der Bevölkerung sowohl auf Widerstand als auch auf Unterstützung.

Die Juden wurden damals vor ihrem Gotteshaus zusammengetrieben und unter Gewaltandrohung dazu gezwungen, das Inventar der Synagoge zu zerstören, heilige Schriften und Einrichtungsgegenstände auf dem Platz davor zu verbrennen. In der darauffolgenden Nacht versuchten Nazi-Sympathisanten, das verwüstete Gebäude zum Einsturz zu bringen. Es gelang nicht. Später ordnete der Kreisbaumeister den Abriss der Synagoge an. Einige Juden kamen danach ins Konzentrationslager, einige wanderten aus, einige blieben in Königsbach, bis sie 1940 nach Gurs deportiert wurden. Dass die Schüler am Ort des Geschehens, am Platz der Synagoge, von den Ereignissen berichteten, ließ das Geschilderte auf ihre Zuhörer umso eindrücklicher wirkten. „Es soll keine Veranstaltung sein, bei der der Lehrer sagt, was man darüber zu denken hat“, erklärte Michael Kunzmann: „Wenn die Schüler von Gleichaltrigen von den Ereignissen erfahren, dann ermöglicht das einen ganz anderen Zugang zu dem Thema.“ Der Lehrer hatte elf Schüler der Kursstufe bei der Vorbereitung der Veranstaltung unterstützt, die von der SMV, Dietmar Aufmkolk und Katharina Ruder initiiert wurde.

Bei ihrer Arbeit griffen Lehrer und Schüler auf die Leistungen von Joachim Mehne zurück. Der Historiker unterrichtete früher am Königsbacher Gymnasium und begab sich in den 1990er-Jahren zusammen mit Schülern auf die Suche nach jüdischem Leben in Königsbach.