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Symbolbild: Adobe
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13.02.2019

Kolumne: Biologisch ohne Schubladendenken

Enzkreis. Der Enzkreis ist eine Bio-Musterregion. Und das mit Recht. Der Öko-Anteil an der Lebensmittelproduktion liegt im Kreis deutlich über dem baden-württembergischen Durchschnitt. Dieser Anteil soll weiter gesteigert werden – im Gleichschritt mit der Vermarktung. Viele Bauern nervt derweil eine starre Einteilung in Bio-Höfe und konventionelle Landwirtschaft.

„Alles Öko oder was?“ Ulrich Hauser, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, hat beim Kreisbauerntag vergangene Woche seinen Blick in die landwirtschaftliche Zukunft bewusst mit einer provokanten Frage garniert. Denn die Debatte dort zeigt, dass die Ökologie im bäuerlichen Alltag eine immer größere Rolle spielt. Das trifft eben auch Höfe, die gemeinhin in der Schublade „konventionell“ eingeordnet werden. Umso mehr gehen solche Kategorien so manchem Landwirt auf die Nerven. Auch das machte Hauser deutlich.

Lebensmittel produzieren und gleichzeitig immer strengere Umweltauflagen erfüllen – dieser Spagat hatte sicherlich auch damit zu tun, dass der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck bei seinem vermeintlichen Auswärtsspiel unter Landwirten eher auf interessierte Neugier als auf Ablehnung stieß. Die Bauern kämpfen zwar wie beim Landeswassergesetz gegen Hürden, die sie als völlig überzogen empfinden – mit der Realität strenger Auflagen leben sie aber durchaus. Mit Habeck hatten sie nun einen Gast, der solche Regelungen ebenso als gesetzt erachtet – und gleichzeitig nach Wegen sucht, wie es sich für Landwirte auch lohnen kann, sich fürs Schonen der Umwelt zu engagieren.

Die Zukunft sieht so gesehen tatsächlich nach immer mehr Öko aus. Im Enzkreis sowieso, wo über 14 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen für biologische Produktion genutzt werden – im Landesschnitt sind es nur 9,6 Prozent. Landrat Bastian Rosenau ist stolz auf die 17 Prozent Bio-Höfe im Enzkreis – wenn man nur die Haupterwerbsbetriebe betrachtet. Das Ziel der Biomusterregion ist ein Öko-Anteil von 25 Prozent. Allerdings: Der Enzkreis und Pforzheim sind in einigen Bereichen weit davon entfernt, den Appetit der Bürger an Lebensmitteln regional zu stillen. Laut Landratsamt werden hier nur 13 Prozent der tatsächlich verbrauchten Kartoffeln angebaut, 24 Prozent des verspeisten Rindfleisches und die Hälfte der benötigten Milchprodukte erzeugt.