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Nicht so süß: Schwebfliegen und andere Insekten haben keine Lobby, sind für unsere Natur aber unheimlich wichtig.  Foto: dpa 

Kolumne: Tierische Ungerechtigkeit beim Aussterben - Keiner mag die Schwebfliege

Pech für die Schwebfliege. Ihr Niedlichkeitsfaktor ist ähnlich klein wie das Tier selbst. Und dann fehlt ihr noch die offenkundige Nützlichkeit der Biene. Deren Schicksal treibt uns um. Am Freitag erst hat der Leiter des Kreisveterinäramts per Pressemitteilung vor einer Bienenkrankheit, der „Amerikanischen Faulbrut“ gewarnt, die auf Iptinger Markung entdeckt wurde. Das macht den Ort und Teile von Großglattbach für weitere Untersuchungen zu einer Art Bienen-Sperrbezirk.

Weitere Gefahren für das Insekt der Herzen von der Varroa-Milbe über Pestizide bis zum Abmähen von Wiesen vor der Blütezeit hat zuletzt Heinrich Herb eindringlich dargestellt. Herb ist beim Enzkreis im Amt für nachhaltige Mobilität beschäftigt und in der Freizeit Imker.

Doch selbst das Bienensterben rückt in den Hintergrund, wenn Forscher wie in dieser Woche vor dem Verschwinden einer Million Tier- und Pflanzenarten weltweit warnen. Was die Menschen daran bewegt, zeigt sich ganz gut in den Bildmotiven, die Tageszeitungen landauf landab dazu ausgewählt haben. Die einen – auch die PZ – bebilderten das Drama mit einem traurig schauenden Orang Utan, andere mit einem majestätischen Tiger. Und keiner zeigte beispielsweise die Schwebfliege. Dabei sind es neben den Bienen so viele andere fliegende Insekten, deren Rückgang uns Sorgen bereiten muss.

Die reine Tatsache zeigt sich an einer eigentlich makabren Beobachtung, die auch Reinhold Rau, Dezernent für Land- und Forstwirtschaft beim Kreis Calw, beschreibt: „Wenn man früher länger durch den Nordschwarzwald gefahren ist, klebten viele Insekten auf der Windschutzscheibe“, sagt er: „Das ist nicht mehr so.“

Immerhin: Unsere Region gilt im Vergleich zu anderen Landschaften in Deutschland noch als Hort der Vielfalt. Darin ist sich Rau einig mit seinem Enzkreis-Dezernentenkollegen Wolfgang Herz. Dort im Landratsamt zeigt derzeit eine Ausstellung, welche andernorts verschwundenen Arten im Enzkreis noch leben oder wachsen. Warum das so ist, begründen Herz und Thomas Köberle vom Landschaftserhaltungsverband ganz ähnlich wie der Calwer Rau: die Struktur der Landschaft sei kleinteilig und vielfältig. Und beide Landkreise verweisen auf ein Bündel von Schutzinitiativen für Schutzmaßnahmen – von Programmen für buchstäblich blühende Landschaften bis zu Kooperationen mit der Landwirtschaft.

Dass die Lage besser eingeschätzt wird als andernorts, heißt freilich nicht, dass in der Region heile Welt herrscht. Aber es wird an vielen Stellen etwas getan. Nicht nur für die Bienen. Und das ist am Ende doch wieder ein Stück Glück für die Schwebfliege.